Das orale Antidiabetikum Pioglitazon
gehört zur Gruppe der Thiazolidindione, auch Glitazone
genannt.
Seine Wirkungen werden über eine Verringerung der
Insulinresistenz
vermittelt. Es ist als Monotherapie oder in Kombination mit Metformin
oder/und einem Sulfonylharnstoff zur Behandlung des Diabetes mellitus
Typ 2 zugelassen. Des Weiteren ist Pioglitazon auch angezeigt
für
die Kombination mit Insulin bei Patienten mit Typ 2 Diabetes mellitus.
Wirkungsmechanismus
Allgemeine Informationen zum
Wirkmechanismus der Glitazone finden sich hier.
Die Wirkungen von Pioglitazon werden wahrscheinlich über eine
Verringerung der Insulinresistenz vermittelt. Pioglitazon scheint
über eine Aktivierung spezifischer Kernrezeptoren (Peroxisome
Proliferator activated Receptor gamma (PPAR-gamma)) zu wirken, was im
Tiermodell zu einer erhöhten Insulinsensitivität von
Leber-,
Fett- und Skelettmuskelzellen führt. Es konnte gezeigt werden,
dass Pioglitazon die Glucoseproduktion in der Leber reduziert und die
periphere Glucoseverwertung im Falle einer Insulinresistenz steigert.
Die Nüchtern- und postprandiale Blutzuckerkontrolle von
Patienten
mit Diabetes mellitus Typ 2 wird verbessert. Diese verbesserte
Blutzuckerkontrolle geht mit einer Senkung sowohl der
Nüchtern-
als auch der postprandialen Plasma-Insulinkonzentrationen einher.
Eine klinische Studie mit Pioglitazon versus Gliclazid als Monotherapie
wurde über zwei Jahre fortgeführt, um die Zeit bis
zum
Nachlassen des therapeutischen Effekts zu untersuchen (definiert als
HbA1c>8,0% nach den ersten 6 Behandlungsmonaten). Die
Kaplan-Meier-Analyse zeigte unter Gliclazid eine kürzere
Zeitperiode bis zum Nachlassen der Wirksamkeit als unter Pioglitazon.
Zum Zeitpunkt nach zwei Jahren nach Beginn der Therapie konnte eine
Blutzuckerkontrolle (definiert als HbA1c<8,0%) durch Pioglitazon
bei
69% der behandelten Patienten (gegenüber 50% der Patienten
unter
Gliclazid) aufrechterhalten werden. In einer weiteren Studie
über
zwei Jahre wurden die Effekte einer Kombinationstherapie von Metformin
mit jeweils Pioglitazon oder Gliclazid untersucht. Die
glykämische
Kontrolle, gemessen als mittlere Änderung im Vergleich zu den
HbA1c-Ausgangswerten, war nach einem Jahr zwischen den
Behandlungsgruppen vergleichbar. Während des zweiten
Behandlungsjahres verschlechterten sich die HbA1c-Werte unter
Pioglitazon in geringerem Maße als unter Gliclazid.
Die HOMA-Analyse zeigt, dass Pioglitazon sowohl die Betazellfunktion
verbessert als auch die Insulinsensitivität erhöht.
Klinische
Studien über zwei Jahre haben die Aufrechterhaltung dieser
Wirkung
belegt. In klinischen Studien über ein Jahr zeigte sich unter
Pioglitazon durchgängig eine statistisch signifikante Abnahme
des
Albumin/Kreatinin-Quotienten im Vergleich zu den Ausgangswerten.
Die Wirkung von Pioglitazon (Monotherapie mit 45 mg versus Placebo)
wurde in einer kleinen, auf 18 Wochen ausgelegten Untersuchung an
Typ-2-Diabetikern geprüft. Die Einnahme von Pioglitazon war
mit
einer signifikanten Gewichtszunahme verbunden. Dabei nahm das viszerale
Fettgewebe signifikant ab, während sich die Masse an
extraabdominalem Fettgewebe vergrößerte.
Vergleichbare
Veränderungen der Körperfettverteilung unter
Pioglitazon
gingen mit einer Verbesserung der Insulinsensitivität einher.
In
den meisten klinischen Studien wurden im Vergleich zu Placebo eine
Reduktion der Gesamtplasma-Triglyceride und der freien
Fettsäuren
und ein Anstieg der HDL-Cholesterolkonzentrationen beobachtet. Ein
statistisch signifikanter Anstieg der LDL-Cholesterolkonzentrationen
trat nicht auf.
In klinischen Studien über einen Zeitraum von bis zu zwei
Jahren
reduzierte Pioglitazon im Vergleich zu Placebo, Metformin oder
Gliclazid die Gesamtplasmatriglyceride und die freien
Fettsäuren
und erhöhte die HDL-Cholesterolkonzentrationen. Im Vergleich
zu
Placebo wurde unter Pioglitazon kein statistisch signifikanter Anstieg
der LDL-Cholesterolkonzentrationen festgestellt, während unter
Metformin und Gliclazid verminderte Werte beobachtet wurden.
In einer Studie über 20 Wochen reduzierte Pioglitazon nicht
nur
die Nüchtern-Triglyceride, sondern verbesserte
darüber hinaus
auch die postprandial erhöhten Triglyceridkonzentrationen,
dies
sowohl über einen Effekt auf die Triglycerid-Absorption als
auch
auf die hepatische Triglycerid-Synthese. Diese Wirkungen waren
unabhängig von den Effekten auf die Blutzuckerkonzentration.
Sie
waren im Vergleich zu Glibenclamid statistisch signifikant
stärker
ausgeprägt.
Eine Outcome-Studie mit Pioglitazon wird zur Zeit
durchgeführt.
Bis zu deren Abschluss ist der mit einer verbesserten metabolischen
Kontrolle verbundene Langzeitnutzen noch nicht nachgewiesen.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute
Gegenanzeigen
- bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Pioglitazon
- Herzinsuffizienz oder Herzinsuffizienz in der Anamnese (NYHA I bis IV)
- eingeschränkte Leberfunktion
- diabetischer Ketoazidose
- Anwendung bei Dialysepatienten
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
- Schwangerschaft und Stillzeit
Nebenwirkungen
(unerwünschte
Wirkungen)
Es handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Unerwünschte
Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- In kontrollierten Studien versus Vergleichsmedikation betrug die
mittlere Gewichtszunahme innerhalb eines Jahres unter Pioglitazon als
Monotherapie 2-3 kg. Dies ist vergleichbar mit der Gewichtszunahme, die
in der Vergleichsgruppe unter Sulfonylharnstoff beobachtet wurde. In
Kombinationsstudien führte die Gabe von Pioglitazon
zusätzlich zu Metformin zu einer mittleren Gewichtszunahme von
1,5
kg und von Pioglitazon zusätzlich zu Sulfonylharnstoff zu
einer
Gewichtszunahme von 2,8 kg innerhalb eines Jahres. In
Vergleichsgruppen, in denen Sulfonylharnstoff zusätzlich zu
Metformin gegeben wurde, betrug die mittlere Gewichtszunahme 1,3 kg.
Bei Gabe von Metformin zusätzlich zu Sulfonylharnstoff zeigte
sich
eine Gewichtsreduktion um 1,0 kg.
- Sehstörungen wurden überwiegend im
Frühstadium der
Behandlung berichtet und sind eine Folge der Veränderungen der
Blutzuckerwerte. Diese führen zu einer
vorübergehenden
Veränderung des Turgors und des Brechungsindexes der Linse,
wie
sie auch bei anderen hypoglykämischen Wirkstoffen beobachtet
werden.
- In klinischen Studien mit Pioglitazon traten ALT-Anstiege
über
das Dreifache der Obergrenze des Normbereichs hinaus gleich
häufig
auf wie unter Placebo, jedoch seltener als in Vergleichsgruppen unter
Metformin oder Sulfonylharnstoff. Die mittleren Leberenzymwerte nahmen
unter Behandlung mit Pioglitazon ab. Seltene Fälle
erhöhter
Leberenzymwerte und hepatozellulärer Dysfunktion sind nach
Markteinführung aufgetreten. Obwohl in sehr seltenen
Fällen
ein tödlicher Ausgang berichtet wurde, konnte ein
Kausalzusammenhang jedoch nicht nachgewiesen werden.
- In kontrollierten klinischen Studien war die Häufigkeit von
Berichten über Herzinsuffizienz unter der Therapie mit
Pioglitazon
gleich der in den Placebo-, Metformin- und
Sulfonylharnstoff-Behandlungsgruppen. Seit der Markteinführung
von
Pioglitazon wurde selten über Herzinsuffizienz berichtet.
- Als Folge einer Hämodilution trat unter der Therapie mit
Pioglitazon eine geringfügige Reduktion der mittleren
Hämoglobinwerte (relative Reduktion um 4%) und des
Hämatokrits (relative Reduktion um 4,1%) auf.
Ähnliche
Veränderungen wurden bei vergleichenden kontrollierten Studien
mit
Pioglitazon bei Patienten unter Metformin (relative Reduktion des
Hämoglobins um 3-4% und des Hämatokrits um 3,6-4,1%)
und zu
einem geringeren Ausmaß auch bei Patienten unter
Sulfonylharnstoff (relative Reduktion des Hämoglobins um 1-2%
und
des Hämatokrits um 1-3,2%) beobachtet.
- Pioglitazon in Kombination mit Insulin:
Makulaödem
- erhöhtes Frakturrisiko
Sehr
häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
Pioglitazon in Kombination mit Metformin und einem Sufonylharnstoff:
- Hypoglykämie
Pioglitazon in Kombination mit Insulin:
- Ödeme
Häufige
unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
- Ödeme, die in der Regel leicht bis mäßig
ausgeprägt waren und für gewöhnlich keinen
Therapieabbruch erforderten
Monotherapie:
- Sehstörungen
- Infektion der oberen Atemwege
- Gewichtszunahme
- Hypästhesie.
Pioglitazon in Kombination mit Metformin:
- Anämie
- Sehstörungen
- Gewichtszunahme
- Arthralgie
- Kopfschmerzen
- Hämaturie
- erektile Dysfunktion
Pioglitazon in Kombination mit einem Sulfonylharnstoff:
- Flatulenz
- Gewichtszunahme
- Benommenheit
Pioglitazon in Kombination mit Metformin und einem Sufonylharnstoff:
- Gewichtszunahme, Anstieg der Kreatininphosphokinase im Blut
- Arthralgie
Pioglitazon in Kombination mit Insulin:
- Hypoglykämie
- Bronchitis
- Gewichtszunahme
- Rückenschmerzen, Arthralgie
- Atemnot
- Herzinsuffizienz
Gelegentliche
unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
Monotherapie:
- Sinusitis
Schlaflosigkeit
Pioglitazon in Kombination mit Metformin:
- Flatulenz
Pioglitazon in Kombination mit einem Sulfonylharnstoff:
- Schwindel
- Sehstörungen
- Müdigkeit
- erhöhte Lactatdehydrogenasewerte
- vermehrter Appetit, Hypoglykämie
- Kopfschmerzen
- Glykosurie, Proteinurie
- Schwitzen