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Promethazin


 

Promethazin

Promethazin ist chiral und enthält ein Stereozentrum, es gibt also zwei Enantiomere, die (R)-Form [oben] und die (S)-Form [unten]. Die Handelspräparate enthalten den Arzneistoff als Racemat (1:1-Gemisch der Enantiomere).

Formel Promethazin

Wirkstoffklasse

  • H1-Antihistaminikum
  • Sedativum
  • Neuroleptikum

Fertigpräparate (Auswahl)

  • Atosil® 
  • Prothazin® 

Wirkung

Promethazin ist ein Phenothiazin mit primär H1-antihistaminischer Wirksamkeit. Der Wirkstoff besitzt ausgeprägte sedierende und antiemetische, jedoch nur sehr geringe antipsychotischen Eigenschaften. Klinisch wird Promethazin vor allem als Sedativum bei Unruhe- und Erregungszuständen eingesetzt, ferner bei Erbrechen und Schlafstörungen. Nach aktuellem medizinischen Kenntnisstand wird für die Verwendung als Antihistaminikum nur noch bei parenteraler Gabe ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis gesehen.

Wirkungsmechanismus

Allgemeine Informationen zum Wirkmechanismus der H1-Antihistaminika finden sich hier.

Promethazin, ein Phenothiazin-Derivat mit verzweigter basischer Seitenkette, ist ein potentes H1-Antihistaminikum mit stark sedierender Wirkung, das nur sehr geringe antipsychotischen Eigenschaften besitzt. Promethazin wirkt weiterhin antiemetisch, anticholinerg, antiserotonerg und membranstabilisierend und blockiert alpha-Rezeptoren (letztere Wirkung ist lediglich bei rascher i.v.-Verabreichung klinisch bedeutsam). Im Rahmen allergisch bedingter Entzündungen führt die Anwendung von Promethazin zu einer Erniedrigung der im entzündlichen Gewebe nachweisbaren Substanz P-Konzentration.
Die antihistaminerge Wirkung von Promethazin ist deutlich ausgeprägt, daneben besitzt es auch eine Affinität zu Muskarin- und Dopamin-Rezeptoren. Die Dopaminrezeptor-antagonistische Wirkung beträgt jedoch nur etwa ein Zehntel der von Chlorpromazin. An isolierten glattmuskulären Organen, z.B. einem Darmpräparat des Meerschweinchens oder der Ratte, bewirkt Promethazin bereits in einer Konzentration von 0,5 nmol/l eine deutliche Hemmung der Histaminwirkung. Der KI-Wert (Konzentration von Promethazin, die zu einer halbmaximalen Besetzung des jeweiligen Rezeptorsystems führt) für Histamin-H1-Rezeptoren liegt bei 2,9 nmol/l, für Muskarin-Rezeptoren bei 21 nmol/l und für Dopamin-Rezeptoren bei 242 nmol/l. In vitro zeigte sich eine extrem geringe Affinität zu (3H)-Haloperidol-markierten Dopaminrezeptoren. Infolgedessen wird die Prolaktinsekeretion nicht erhöht, die Apomorphin- und Amphetamin-bedingte Hyperaktivität nicht gemindert, und es tritt keine Katalepsie und keine Hemmung des bedingten Fluchtreflexes auf.
Obwohl Promethazin sowohl eine stimulierende als auch eine beruhigende Wikrung auf das ZNS ausüben kann, überwiegt in therapeutischen Dosen die Sedierung.
Ferner hat Promethazin lokalanästhetische (membranstabilisierende) Eigenschaften, die aber wegen der Gewebeunverträglichkeit nicht genutzt werden können. Leichte antitussive Effekte werden im Zusammenhang mit den anticholinergen und ZNS-depressiven Eigenschaften diskutiert. In therapeutischen Dosierungen besitzt die Substanz keine ausgeprägten kardiovaskulären Eigenwirkungen.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegenüber Promethazin und anderen Phenothiazinen
- akute Alkohol-, Schlafmittel-, Analgetika- oder Psychopharmaka-Intoxikation
- schwere Blutzell- bzw. Knochenmarkschädigung
- Kreislaufschock oder Koma
- Kinder unter 2 Jahren
- anamnestisch bekanntes malignes Neuroleptika-Syndrom nach Promethazin

Relative Gegenanzeigen
- Leukopenie oder andere Erkrankungen des hämatopoetischen Systems
- Leber- oder Nierenerkrankungen
- chronische Atembeschwerden und Asthma bronchiale
- Störungen der Atemfunktion (z.B. Schlafapnoe, COPD)
- angeborenes langes QT-Syndrom oder andere klinisch signifikante kardiale Störungen (insbesondere koronare Herzkrankheit, Erregungleitungsstörungen, Arrhythmien)
- Hypotonie, Hypertonie, orthostatische Dysregulation, Bradykardie, Hypokaliämie
- hirnorganische Erkrankungen oder epileptische Anfälle in der Anamnese
- nicht pharmakogenes Parkinson-Syndrom
- Engwinkel- und Winkelblockglaukom und entsprechende Disposition
- Harnretention, Prostatahyperplasie
- Pylorusstenose
- Schwangerschaft (insbesondere Frühschwangerschaft und Ende der Schwangerschaft)
- Stillzeit
- bei Kindern: Erbrechen unbekannter Ursache, Dehydratation, akute Infektionen (erhöhtes Risiko von Dystonien)
- Photosensibilität bzw. phototoxische Reaktionen in der Anamnese
- Verdacht auf neurologisch erkennbare subkortikale Hirnschäden

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- vor allem unter höheren Dosen bzw. bei Langzweitanwendung: Veränderungen des Augeninnendrucks, Einlagerungen bzw. Pigmentierung in Hornhaut und Linse des Auges, Schwitzen
- Obstipation
- Leukopenie
- Hyperthermie
- Porphyrie
- Tinnitus
- Diplopie, okulogyrische Krisen
- Erregung, Nervosität, Euphorie, Hysterie, Tremor, Anfälle, katatonische Zustände
- Ruhelosigkeit, Akathisie
- unregelmäßige Atmung
- athetoid-ähnliche Bewegungen der oberen Extremitäten bei Schmerzpatienten, die nicht oder nicht adäquat analgetisch behandelt wurden (nach parenteraler Applikation von Promethazin). Die Symptome verschwanden gewöhnlich nach Schmerzkontrolle
- besonders bei Kindern und älteren Patienten: paradoxe ZNS-Stimulationen mit Tremor, Irritabilität, Schlaflosigkeit, dystonen Reaktionen. Prädisponierend wirken fieberhafte Erkrankungen und Dehydratation.
- bei Patienten mit vorbestehenden respiratorischen Störungen: zentrale Atemdepression (dosisabhängig)
- Benommenheit, Müdigkeit, Fatique, Konzentrationsschwäche, vermindertes Reaktionsvermögen, Unkoordiniertheit
- Erhöhung der Plasma-Prolaktin-Konzentration
- Tachykardie, Bradykardie
- Hypotension (nach schneller i.v.-Applikation), Hypertension (nach langsamer i.v.-Applikation)
- Palpitationen (Herzklopfen)

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
- Sedierung (falls nicht als Sedativum eingesetzt)
- Mundtrockenheit und Eindickung von Schleim mit Störung der Speichelsekretion
- Vor allem zu Behandlungsbeginn: Blutdruckveränderungen (Hypotonie bzw. orthostatische Dysregulation), reflektorische Tachykardie, EKG-Veränderungen in Form klinisch nicht bedeutsamer Erregungsrückbildungstörungen

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
- Störungen der Hämatopoese
- Funktionsstörungen des Magen-Darm-Kanals, Cholestase, Miktionsstörungen
- Akkomodationsstörungen
- Hautreaktionen, Photosensibilisierung
- Tachykardie, Blutdruckschwankungen, Erregungsleitungsstörungen
- Provokation epileptischer Anfälle
- Sekretionsstörungen der Schweißdrüsen, vermehrter Tränenfluss, vermehrtes Durstgefühl
- verstopfte Nase
- Gewichtszunahme
- sexuelle Funktionsstörungen (z.B. Beeinträchtigung der sexuellen Reaktionsfähigkeit, Störungen der Libido, Störungen der Erektion und Ejakulation)
- Galactorrhoe
- Störung der Temperaturregulation
Die vegetativen Begleiterscheinungen sind oft dosisabhängig und verschwinden meist im Laufe der Behandlung oder nach Verringerung der Dosis.

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
Ikterus (cholestatische Hepatitis)

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
- Schlafstörungen
- Verwirrtheitszustände und allgemeine Unruhe
- respiratorische Störungen
- Agranulozytose
- Ausbildung einer Thrombose
- schwere phototoxische Reaktion
- Krampfanfälle
- Parkinson-Syndrom (Zittern, Steifigkeit, Bewegungsarmut)
- Auftreten ungewollter auffälliger Bewegungen der Glieder, des Rumpfes, und der Gesichtsmuskeln (z.B. krampfartiges Herausstrecken der Zunge, Verkrampfung der Schlundmuskulatur, Blickkrämpfe (okulogyre Krisen), Schiefhals, Versteifung der Rückenmuskulatur, Kiefermuskelkrämpfe)
- Auslösung eines Glaukomanfalls (Grüner Star)
- lebensbedrohliches Malignes neuroleptisches Syndrom, Symptome: Fieber >40 Grad Celsius, Muskelstarre, Anstieg des Myoglobins und der Kreatinkinase-Aktivität im Blut, veränderter mentaler Status, unregelmäßiger Puls oder Blutdruck, Tachykardie, Diaphorese




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