Raloxifen, ein so genannter selektiver
Estrogen-Rezeptor-Modulator (SERM), verhält sich im Knochen
und im Lipid-Stoffwechsel wie ein Estrogen. Auf Hypophyse,
Gebärmutter und Brust wirkt die Substanz dagegen wie ein
Estrogen-Rezeptor-Antagonist. Selektive Estrogen-Rezeptor-Modulatoren
können somit postmenopausale Frauen vor Osteoporose (durch
Erhöhung der Knochendichte) und kardiovaskulären
Erkrankungen (durch Senkung von Gesamtcholesterol und LDL-Cholesterol)
schützen, ohne das Risiko für ein Uterus- oder
Mamma-Karzinom zu erhöhen.
Wirkungsmechanismus
Das nichtsteroidale
Benzothiophen-Derivat Raloxifen besitzt als selektiver
Estrogen-Rezeptor-Modulator (SERM) selektive agonistische oder
antagonistische Wirkungen auf Estrogen-empfindliche Gewebe. Es wirkt
als ein Estrogen-Agonist auf den Knochen- und teilweise auf den
Cholesterol-Stoffwechsel (Abnahme des Gesamt- und LDL-Cholesterols) in
Folge Affinität zum beta-Rezeptor, nicht aber auf Hypothalamus
oder auf Uterus- und Brust-Gewebe (in denen sich v.a. der
alpha-Rezeptor findet).
Die
biologischen Wirkungen von Raloxifen werden analog denjenigen der
Estrogene vermittelt. Raloxifen bindet mit hoher Affinität an
den Estrogen-Rezeptor und reguliert die Genexpression. Diese Bindung
führt zu einer differenzierten Expression verschiedener
Estrogen-regulierter Gene in unterschiedlichen Geweben. Neuere
Untersuchungen lassen den Schluss zu, dass der Estrogen-Rezeptor die
Genexpression über mindestens zwei verschiedene Wege
reguliert, die liganden-, gewebe- und/oder genspezifisch sind. Der
Abfall der Estrogen-Konzentration in der Menopause führt zu
einem ausgeprägten Anstieg der Knochenresorption. Die
Wirkungen von Raloxifen am Knochen manifestieren sich in einer Abnahme
von Knochenstoffwechsel-Markern in Serum und Urin, einer Zunahme der
Knochen-Dichte und damit einer Senkung der Fraktur-Inzidenz. Sie sind
qualitativ vergleichbar mit denen einer Estrogen-Ersatztherapie.
Raloxifen
führt zu einer verminderten Knochenresorption und einer
positiven Verschiebung der Calcium-Bilanz um durchschnittlich 60 mg pro
Tag, was primär aus verringerten Calcium-Verlusten im Harn
resultiert. Unter Raloxifen-Therapie sind die Knochen histologisch
normal, ohne einen Hinweis auf Mineralisationsdefekte, Faserknochen
oder Kochenmarksfibrose. Als Mechanismus wird eine Hemmung der
Osteoklasten-Aktivität in Folge vermehrter Synthese des
Wachstumsfaktors TGFbeta 3 angegeben, außerdem die Hemmung
von Zytokinen wie Interleukin 1 und 6, wodurch die Reifung von
Präosteoklasten unterbunden wird.
Unter
Raloxifen-Therapie werden die Serum-Konzentrationen von
Gesamtcholesterol (3-6%) und LDL-Cholesterol (4-10%) sowie Lipoprotein
A reduziert. Die Konzentrationen von HDL-Cholesterol und Triglyceriden
blieben dagegen nahezu unverändert. In Osteoporose-Studien war
der Einsatz von Lipidsenkern unter Raloxifen seltener erforderlich als
unter Placebo. Eine 3-jährige Therapie mit Raloxifen senkte
die Fibrinogen-Konzentration (6,71 %). Ein Einfluss der Behandlung auf
die Inzidenz kardiovaskulärer Komplikationen ist noch zu
klären.
Raloxifen
zeigt, im Gegensatz zu Tamoxifen, keinen stimulierenden Effekt auf die
postmenopausale Gebärmutter-Schleimhaut. Raloxifen
hat keine stimulierende (intrinsische, Estrogen-agonistische) Wirkung
auf die Brustdrüse. Im Vergleich zu Placebo senkt Raloxifen
das Risiko, an invasivem und Estrogen-Rezeptor-positivem Brustkrebs
(gilt nicht für Estrogen-Rezeptor-negative Neoplasien) zu
erkranken. Die Langzeitwirkung von Raloxifen auf das Brustkrebs-Risiko
ist nicht bekannt.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute
Gegenanzeigen
- bekannte Überempfindlichkeit gegen Raloxifen
- bestehende oder in der Anamnese aufgetretene thromboembolische
Ereignisse, einschließlich tiefer Venenthrombose,
Lungenembolie, Retina-Venenthrombose
- eingeschränkte Leberfunktion einschließlich
Cholestase
- schwere Nierenfunktionsstörungen
- ungeklärte Uterus-Blutungen
- klinische Symptome eines Endometrium-Karzinoms (über die
sichere Anwendung liegen keine Erfahrungen vor)
- Gebärfähigkeit, Schwangerschaft, Stillzeit
(Indikation: Postmenopause)
- Alter <18 Jahre
- männliches Geschlecht
Relative
Gegenanzeigen
- bestehendes Risiko für venöse thromboembolische
Ereignisse jedweder Ätiologie (Nutzen/Risiko-Analyse)
- anamnestisch bekannte, durch Estrogen-Gabe verursachte
Hypertriglyceridämie
Nebenwirkungen
(unerwünschte
Wirkungen)
Es handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker
Unerwünschte Wirkungen,ohne Angabe der Häufigke
- bei anamnestisch bekannter, durch orale Estrogen-Gabe induzierter
Hypertriglyceridämie (>5,6 mmol/l): deutlicher Anstieg
der Serum-Triglyceride
- mäßige Konzentrationserhöhung
Hormon-bindender Globuline wie z.B. SHBG (Steroidhormon-bindendes
Globulin), TBG (Thyroxin-bindendes Globulin) oder CBG
(Corticosteroid-bindendes Globulin) mit Anstieg der
Gesamthormon-Konzentration und ohne Erhöhung der Konzentration
der freien Hormone