Ramipril wird zur Behandlung der
arteriellen
Hypertonie (Bluthochdruck) und der Herzinsuffizienz und zur Vorbeugung
des Herzinfarktes eingesetzt. Ramipril selbst ist ein inaktives Prodrug
(Vorstufe der wirksamen Verbindung). Sein Wirkprinzip beruht nach
Aktivierung zum Ramiprilat auf der Hemmung des Angiotensin Converting
Enzyme (ACE).
Wirkungsmechanismus
Allgemeine Informationen zum
Wirkmechanismus der ACE-Hemmer finden sich hier.
Ramipril
ist der Ethylester (Prodrug) des in vivo durch Hydrolyse entstehenden
aktiven Metaboliten Ramiprilat. Die freie Carboxygruppe bildet eine
Chelatbindung mit der essentiellen Zn2+-Gruppe des
Angiotensin-Konversionsenzyms und hemmt dadurch dessen
Aktivität. Die Affinität zum Konversionsenzym ist in
etwa äquipotent zu der von Enalaprilat, und 10 bzw. 200mal
stärker als von Captopril bzw. Enalapril. Durch die hohe
Lipophilie ist Ramipril im Gegensatz zur Leitsubstanz Captopril gut
gewebegängig, kann auch in anderen Organen/Geweben als der
Leber in den aktiven Metaboliten Ramiprilat umgewandelt werden und dort
gewebsständiges ACE hemmen (es wird vermutet, dass Angiotensin
II auch durch ein endogenes kardiales Renin-Angiotensin-System gebildet
wird, eine trophische Wirkung auf das Myokard ausübt und
dadurch zur kardialen Hypertrophie bei Hypertonie beiträgt).
Kompensatorische Tachykardie tritt nicht auf.
Unter Ramipril kam es in klinischen Untersuchungen zu keinen klinisch
relevanten Veränderungen von renalem Plasmafluss bzw.
glomerulärer Filtrationsrate.
Bei der Indikation Herzinsuffizienz nach Myokardinfarkt haben Studien
einen lang anhaltenden Effekt der Akuttherapie mit einem ACE-Hemmer auf
die Überlebensrate der Patienten ergeben. Das
Mortalitätsrisiko ging unter der Behandlung mit Ramipril
(Beginn direkt [2.-9. Tag] nach dem Infarktereignis, Therapiedauer von
12-15 Monaten) um 27-36%, verglichen mit Placebo, zurück.
Bei Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko
kam es in einer klinischen Studie unter Ramipril zur Senkung der
Inzidenz von Myokardinfarkten, Schlaganfällen oder
kardiovaskulären Todesfällen. Erklärt wird
dies über die Hemmung des ACE in den Plaques der durch Ruptur
dieser Plaques gefährdeten Blutgefäße. Die
ACE-Hemmung führt zur Senkung der Entzündungsreaktion
an diesen vulnerablen Stellen, so dass v.a. bei Vorhandensein
instabiler Plaques Stabilisierungsvorgänge einsetzen und das
betroffene Gewebe in einen chronischen, d.h. weniger
gefährlichen Zustand überführen
können. Weitere Faktoren zur Hemmung atherosklerotischer
Vorgänge stellen die Reduktion der Proliferation glatter
Gefäßmuskulatur und die Verstärkung der
endogenen Fibrinolyse durch Ramipril dar.
In einer Studie zur Indikation diabetische Nephropathie wurde eine
Senkung der Notwendigkeit zur Dialyse-Behandlung oder
Nierentransplantation bzw. eine geringere Rate an verdoppelter
Serum-Kreatinin-Konzentration beobachtet.
Ramipril verändert beim Menschen den Glucose-Stoffwechsel
nicht, LDL- und HDL-Cholesterol im Serum werden gesenkt.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute
Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Ramipril oder einen anderen
ACE-Hemmstoff
- Nierenarterienstenose (beidseitig bzw. bei Einzelniere einseitig)
- Zustand nach Nierentransplantation
- Dialyse (mangels Therapie-Erfahrungen)
- primärer Hyperaldosteronismus
- anamnestisch bekanntes angioneurotisches Ödem
(hereditär oder idiopathisch, z.B. in Folge einer
früheren Therapie mit einem ACE-Hemmstoff)
- primäre Lebererkrankungen oder Leberinsuffizienz (mangels
Therapie-Erfahrungen)
- unbehandelte dekompensierte Herzinsuffizienz (mangels
Therapie-Erfahrungen)
- hämodynamisch relevante Aorten- oder Mitralklappenstenose
bzw. hypertrophe Kardiomyopathie
- Schwangerschaft
- Stillzeit
- Alter <18 Jahre (mangels Therapieerfahrungen)
Indikation geringe bis mäßige Herzinsuffizienz nach
akutem Myokardinfarkt, zusätzlich:
- anhaltende Hypotension (systolisch <90 mm Hg)
- orthostatische Dysregulation
- schwere Herzinsuffizienz (NYHA IV)
- instabile Angina pectoris
- Cor pulmonale
- lebensbedrohliche ventrikuläre Arrhythmien
- hämodynamische Instabilität, kardiogener Schock
Relative
Gegenanzeigen
- Vorliegen einer gestörten Immunreaktion oder
Kollagenkrankheit (z.B. Lupus erythematodes, Sklerodermie, sehr
kritische Nutzen/Risiko-Abwägung sowie
regelmäßige Kontrolle repräsentativer,
klinischer und laborchemischer Parameter)
- klinisch relevante Elektrolytstörungen (sehr kritische
Nutzen/Risiko-Abwägung sowie regelmäßige
Kontrolle repräsentativer, klinischer und laborchemischer
Parameter)
- zu erwartende erhöhte Aktivität des
Renin-Angiotensin-Systems, z.B. bei Salz-, Flüssigkeitsmangel
(Ausgleich vor Therapiebeginn), schwerer Hypertonie, Herzinsuffizienz
insbesondere nach akutem Herzinfarkt, linksventrikulärer Ein-
oder Ausflussbehinderung, hämodynamisch relevanter
Nierenarterienstenose
- Alter >65 Jahre
- bestehende besondere Gefährdung durch einen
unerwünscht starken Blutdruckabfall (z.B. Stenosen der
Koronar- oder der Hirn-versorgenden Gefäße)
- eingeschränkte Nierenfunktion
Nebenwirkungen
(unerwünschte
Wirkungen)
Es handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Unerwünschte
Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- leichtere, nicht-angioneurotische Ödeme, z.B. im Bereich der
Sprunggelenke
- mit Fieber, Myalgien, Arthralgien/Arthritis, Vaskulitiden,
Eosinophilie und/oder erhöhten ANA-Titern einher gehende
Haut-Veränderungen, schnelleres Auftreten bzw. schwererer
Verlauf von Überempfindlichkeitsrekationen auf Insektengifte
- bei vorbestehendem Dibetes mellitus: Serum-Kalium-Anstieg
Gelegentliche
unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
- Konjunktivitis, angioneurotisches Ödem mit Beteiligung von
Lippen, Gesicht und/oder Extremitäten, Haut- oder
Schleimhaut-Reaktionen (z.B. als Ausdruck einer allergischen Reaktion)
wie Ausschlag, Urtikaria, Pruritus
- Müdigkeit, Asthenie, Gleichgewichtsstörungen,
Stimmungsänderungen, Parästhesien,
Geschmacksveränderungen, Schlafstörungen
- Hypotonie mit Tachykardie, v.a. zu Beginn der Behandlung, bei
vorbestehendem Salz- und/oder Flüssigkeitsmangel,
Herzinsuffizienz (insbesondere nach akutem Myokardinfarkt), schwerer
Hypertonie, Dosiserhöhung von Ramipril:
übermäßige Blutdruck-Senkung, Orthostase
mit Schwindel oder Leeregefühl im Kopf, u.U. mit
Konzentrationsstörungen, Schwitzen,
Schwächegefühl, Sehstörungen, bei
Hochrisiko-Patienten: Hypotonie mit Myokardinfarkt, TIA und/oder
ischämischer zerebraler Insult
- Appetitlosigkeit, Anorexie, Verdauungsstörungen
- Auftreten von bzw. Verstärkung von (bestehenden)
Nierenfunktionsstörungen
- Erhöhung der Bilirubin- und Leberenzym-Konzentration im
Serum, v.a. bei vorbestehenden Nierenfunktionsstörungen:
Anstieg der Serum-Konzentrationen von Kreatinin und Harnstoff, Abfall
des Serum-Natrium-Spiegels/Anstieg des Serum-Kalium-Spiegels
- Impotenz
Seltene
unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
- Somnolenz, Depressionen, Impotenz, Abnahme der Libido, Verwirrtheit,
Angst-Gefühl, Nervosität, Unruhe, Tremor,
Hörstörungen (z.B. Tinnitus), verschwommenes Sehen,
Geruchsstörungen, vorüber gehender Geschmacksverlust
- Auftreten oder (bei vorbestehender Erkrankung) Verstärkung
von Arrhythmien
- Bronchospasmus, Verschlechterung eines Asthma bronchiale, Bronchitis,
Sinusitis, allergische Alveolitis/eosinophile Pneumonie
- angioneurotisches Ödem mit Beteiligung von Kehlkopf, Rachen
und/oder Zunge
- Magenschmerzen, Erhöhung der Pankreas-Enzyme,
Verdauungsstörungen, Obstipation, Stomatitis oder des
Magen-Darm-Trakts, Mundtrockenheit, Durst
- Flush, Urtikaria (u.U. mit Fieber), Alopezie, Verschlimmerung einer
vorbestehenden Psoriasis, psoriasiforme Haut- oder
Schleimhaut-Veränderungen
- Erhöhung der Pankreasenzym-Aktivität im Serum,
Erhöhung des Serum-Bilirubin, Abfallen von
Hämoglobin-Konzentration, Hämatokrit, Leukozyten-,
Thrombozytenzahl, erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit, v.a.
bei vorbestehender eingeschränkter Nierenfunktion oder
Kollagenkrankheiten: Anämie, Thrombozytopenie, Neutropenie,
Eosinophilie
- Urämie, akutes Nierenversagen
- Gynäkomastie
Sehr
seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
- Parästhesien
- Verschlechterung von vorbestehenden Durchblutungsstörungen
in Folge Gefäßstenose
- intestinales Angioödem, Pankreatitis, (Sub-)Ileus,
Leberfunktionsstörungen (einschließlich akutem
Leberversagen), Hepatitis sowie hepatisches Syndrom, beginnend mit
cholestatischem Ikterus, fortschreitend bis zur (ggf. fulminanten)
hepatischen Nekrose, u.U. mit letalem Ausgang
- Hypoglykämie
- makulopapuläres Ex- oder Enanthem, Pemphigus, pemphigoide
oder lichenoide Haut- oder Schleimhaut-Veränderungen,
Photosensibilität, Onycholyse, Vaskulitis,
Verstärkung (einer bestehenden) oder Auslösung einer
Raynaud-Symptomatik, schwer wiegende Haut-Reaktionen wie Erythema
multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse
- Oligurie, Anurie, Proteinurie (teilweise mit gleichzeitiger
Verschlechterung der Nierenfunktion)
- Muskelkrämpfe, Myalgien, Arthralgien, Fieber, Eosinophilie,
Leukozytose
- erhöhte ANA-Titer, Hämolyse/hämolytische
Anämie (auch im Zusammenhang mit Glucose-6-phosphat-Mangel),
v.a. bei vorbestehender eingeschränkter Nierenfunktion oder
Kollagenkrankheiten: Agranulozytose, Panzytopenie (z.B. in Folge
Myelosuppression)