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Rosiglitazon


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Rosiglitazon

Dargestellt ist links (S)-Rosiglitazon und rechts (R)-Rosiglitazon.

Formel Rosiglitazon


Wirkstoffklasse

  • Insulin-Sensitizer
  • PPARgamma-Agonist

Fertigpräparate

  • Avandia® 
  • Avandamet® 
  • Avaglim® 
außer Handel

Vorbemerkung

Der Ausschuss für Humanarzneimittel CHMP (Committee for Medicinal Products for Human Use) der europäischen Arzneimittelagentur EMA hat am 23.09.2010 empfohlen, Rosiglitazon-haltigen Präparaten die Zulassung zu entziehen. Das BfArM setzte diesen Beschluss zum 1. November 2010 um. Grund der Marktrücknahme sind die Daten mehrerer Studien, in denen Rosiglitazon das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei den behandelten Typ-2-Diabetikern erhöhte. Weitere unerwünschte Wirkungen wie Ödeme, Herzschwäche und vermehrte Knochenbrüche bei Frauen waren bereits seit Längerem bekannt. Die EMA hatte monatlenag über das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Rosiglitazon beraten und kam schließlich zu einem negativen Ergebnis.

Wirkung

Das orale Antidiabetikum Rosiglitazon gehört zur Gruppe der Thiazolidindione, auch Glitazone genannt. Seine Wirkungen werden über eine Verringerung der Insulinresistenz vermittelt. Es ist als Monotherapie oder in Zweifach- bzw. Dreifachkombination mit Metformin und/oder Sulfonylharnstoffen zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 zugelassen.

Wirkungsmechanismus

Allgemeine Informationen zum Wirkmechanismus der Glitazone finden sich hier.

Rosiglitazon ist ein selektiver Agonist am nukleären PPAR-gamma-Rezeptor (peroxisomal proliferator activated receptor gamma) und gehört zur Klasse der Thiazolidindione der antidiabetisch wirkenden Arzneimittel. Es reduziert die Blutzuckerkonzentration durch Verringerung der Insulinresistenz am Fettgewebe, an der Skelettmuskulatur und in der Leber.
Die antihyperglykämische Wirkung von Rosiglitazon wurde in einigen Tiermodellen für den Typ-2-Diabetes gezeigt. Hier bewahrte Rosiglitazon außerdem die Funktion der beta-Zellen, was sich an der erhöhten Masse und dem Insulin-Gehalt der Pankreasinselzellen zeigte und verhinderte die Entwicklung einer manifesten Hyperglykämie. Rosiglitazon stimulierte nicht die pankreatische Insulinsekretion und induzierte keine Hypoglykämie bei Ratten und Mäusen. Der Hauptmetabolit (para-Hydroxysulfat) mit hoher Affinität für das lösliche humane PPAR gamma zeigte in einem Glucosetoleranz-Assay bei der adipösen Maus eine relativ hohe Wirksamkeit. Die klinische Relevanz dieser Beobachtung ist noch nicht völlig aufgeklärt.
Die blutzuckersenkende Wirkung von Rosiglitazon setzt allmählich ein, mit einer nahezu maximalen Reduktion des FPG-Wertes nach ungefähr 8 Wochen der Therapie. Die verbesserte Blutzuckerkontrolle ging mit einer Abnahme des Nüchternblutzuckers sowie des Blutzuckers nach Nahrungsaufnahme einher.

Die Behandlung mit Rosiglitazon war mit einer Gewichtszunahme verbunden. In Studien zum Pathomechanismus wurde gezeigt, dass die Gewichtszunahme vorwiegend durch vermehrtes subkutanes Fett bedingt ist, wobei viszerales und intrahepatisches Fett vermindert wird.
In Übereinstimmung mit dem Wirkmechanismus verminderte Rosiglitazon die Insulinresistenz und verbesserte die pankreatische beta-Zellfunktion. Die verbesserte Blutzuckerkontrolle war ebenfalls mit einer signifikanten Senkung der freien Fettsäuren verbunden. Als Konsequenz der unterschiedlichen, aber komplementären Wirkmechanismen hatte die orale Zweifach-Kombinationstherapie von Rosiglitazon mit einem Sulfonylharnstoff oder mit Metformin synergistische Effekte auf die Blutzuckerkontrolle bei Patienten mit Typ-2-Diabetes.

In Studien mit einer maximalen Dauer von drei Jahren zeigte Rosiglitazon nach ein- oder zweimal täglicher Gabe eine anhaltende Verbesserung der Blutzuckerkontrolle (FPG und HbA1c). Ein stärkerer blutzuckersenkender Effekt wurde bei übergewichtigen Patienten beobachtet. Eine Outcome-Studie mit Rosiglitazon ist nicht abgeschlossen. Daher sind die langfristigen Vorteile einer verbesserten Blutzuckerkontrolle nicht belegt.
Hinsichtlich der HbA1c-Senkung war Rosiglitazon in einer laufenden Langzeitvergleichsstudie in der oralen Zweifach-Kombinationstherapie mit Metformin oder Sulfonylharnstoffen gegenüber der Kombination von Metformin mit Sulfonylharnstoffen nach 18 Monaten nicht unterlegen.

Es wurde eine 24-wöchige aktiv kontrollierte klinische Studie (Rosiglitazon bis zu 8 mg pro Tag oder Metformin bis zu 2000 mg pro Tag) mit 197 Kindern (10-17 Jahre) mit Typ-2-Diabetes durchgeführt. Lediglich in der Metformin-Gruppe konnte eine signifikante Verbesserung des HbA1c gegenüber dem Ausgangsniveau erreicht werden. Rosiglitazon konnte gegenüber Metformin keine Nicht-Unterlegenheit belegen. Unter Behandlung mit Rosiglitazon ergaben sich keine neuen Sicherheitsbedenken bei Kindern im Vergleich mit Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes. Für pädiatrische Patienten sind keine Langzeitdaten bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit verfügbar.
Es liegen keine abgeschlossenen Studien zu kardiovaskulären Langzeitergebnissen bei Patienten vor, die Rosiglitazon erhalten haben.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Rosiglitazon
- Herzinsuffizienz oder Herzinsuffizienz in der Anamnese (NYHA I bis IV)
- akutes Koronarsyndrom (instabile Angina pectoris, Myokardinfarkt mit bzw. ohne ST-Strecken-Hebung)
- Leberfunktionsstörungen
- diabetische Ketoazidose oder diabetisches Präkoma
- Schwangerschaft und Stillzeit.

Relative Gegenanzeigen
- schwere Nierenfunktionsstörungen (Kreatinin-Clearance <30 ml/min)
- ischämische Herzerkrankung und/oder periphere arterielle Verschlusskrankheit
- Anwendung in Kombination mit Insulin
- Kinder und Jugendliche

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- Bei der Auswertung der sog. ADOPT-Studie, einer randomisierten, doppelblinden Parallelgruppenstudie, an der 4360 Patienten mit Diabetes mellitus, Typ 2 teilnahmen, war aufgefallen, dass weibliche Patienten im Rosiglitazon-Arm ein deutliches erhöhtes Risiko für Frakturen im Bereich des Oberarms, der Hand und des Fußes hatten als die Frauen, die nur Metformin oder Glibenclamid erhalten hatten. Bei männlichen Patienten wurden diese Unterschiede in den drei Gruppen nicht beobachtet.
- Erhöhtes kardiales Risiko wie Angina und Herzinfarkt (Kausalzusammenhang nicht gesichert)

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
Zweifach-Kombinationstherapie zusammen mit Sulfonylharnstoffen:
- Hypoglykämie
- Ödeme
Dreifach-Kombinationstherapie zusammen mit Metformi und Sulfonylharnstoffen:
- Hypoglykämie
- Ödeme

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
Monotherapie:
- Anämie
- Hypercholesterolämie, Hypertriglyceridämie, Hyperlipidämie, Gewichtszunahme, Appetitzunahme
- Kardiale Ischämie
- Verstopfung
- Knochenfrakturen
- Ödeme
Zweifach-Kombinationstherapie zusammen mit Metformin:
- Anämie
- Hypercholesterolämie, Hyperlipidämie, Gewichtszunahme, Hypoglykämie
- Schwindel
- Verstopfung
- Kardiale Ischämie
- Ödeme
Zweifach-Kombinationstherapie zusammen mit Sulfonylharnstoffen:
- Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie
- Hypercholesterolämie, Hypertriglyceridämie, Hyperlipidämie, Gewichtszunahme
- Schwindel
- Herzinsuffizienz
- Kardiale Ischämie
- Verstopfung
Dreifach-Kombinationstherapie zusammen mit Metformin und Sulfonylharnstoffen:
- Anämie, Granulozytopenie
- Hypercholesterolämie, Hyperlipidämie, Gewichtszunahme
- Kopfschmerzen
- Herzinsuffizienz
- Kardiale Ischämie
- Verstopfung
- Myalgie
Hypercholesterolämie wurde bei bis zu 5,3% der mit Rosiglitazon behandelten Patienten berichtet (orale Monotherapie, Zwei- oder Dreifachkombinationstherapie). Die Erhöhung der Gesamtcholesterol-Konzentration war mit einer Erhöhung sowohl des LDL-Cholesterol als auch des HDL-Cholesterol verbunden, wobei das Verhältnis von Gesamt- zu HDL-Cholesterolin aber unverändert blieb oder sich in Langzeitstudien verbesserte. Insgesamt waren diese Anstiege im Allgemeinen leicht bis mäßig und erforderten in der Regel keinen Therapieabbbruch.
In einer Placebo-kontrollierten Ein-Jahres-Studie an Patienten mit kongestiver Herzinsuffizienz der NYHA-Klassen I bis II trat eine Verschlechterung oder mögliche Verschlechterung der Herzinsuffizienz in 6,4% der mit Rosiglitazon behandelten Patienten auf. In der Placebo-Gruppe war der Anteil 3,5%.
In doppelblinden klinischen Studien mit Rosiglitazon war die Häufigkeit aller unerwünschten Ereignisse, bezogen auf das hepatische und biliäre System 1,5% in jeder Behandlungsgruppe und ähnlich der bei Placebo.

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
Zweifach-Kombinationstherapie zusammen mit Sulfonylharnstoffen:
- Appetitzunahme
In doppelblinden klinischen Studien mit Rosiglitazon trat eine Erhöhung der ALT auf über den dreifachen Wert der Obergrenze des Normbereichs gleich häufig auf wie unter Placebo (0,2%) und seltener als bei den wirksamen Vergleichssubstanzen (Metformin, Sulfonylharnstoffe 0,5%).

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
Nach der Markteinführung von Rosiglitazon ermittelt:
- Makulaödem
- dekompensierte Herzinsuffizienz und Lungenödem
- gestörte Leberfunktion, die vor allem aufgrund erhöhter Leberenzymwerte nachgewiesen wird
Es wurde über seltene Fälle von erhöhten Leberenzymwerten und hepatozellulären Funktionsstörungen berichtet.

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)
Nach der Markteinführung von Rosiglitazon ermittelt:
- schnelle und übermäßige Gewichtszunahme
- anaphylaktische Reaktion
- Angioödem
- Hautreaktionen (z.B. Urtikaria, Juckreiz, Hautausschlag)
In sehr seltenen Fällen wurde über einen tödlichen Verlauf von gestörten Leberfunktionen berichtet.