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Salbutamol


 

Salbutamol

Salbutamol wird als Racemat eingesetzt. Die Formeln zeigen die (R)-Enantiomer oben und das (S)-Enantiomer unten. Wirksam ist (R)-Salbutamol (Eutomer).

Formel Salbutamol

Wirkstoffklasse

  • β2-Sympathomimetikum

Fertigpräparate (Auswahl)

  • SalbuHEXAL® 
  • Sultanol® 
  • Salbubronch® 

Wirkung

Das kurzwirksame β2-Sympathomimetikum Salbutamol erschlafft die glatte Muskulatur der Bronchien, der Gefäßmuskulatur und des Uterus.

Wirkungsmechanismus

Der Mechanismus der bronchodilatatorischen bzw. tokolytischen Wirkung von β2-Sympathomimetika besteht in der Aktivierung der Adenylatcyclase, in deren Folge es zu einer Anreicherung von cAMP kommt. Cyclisches AMP aktiviert spezifische Proteinkinasen, die ihrerseits verschiedene inaktive Enzyme (wie Phospholipasen, Triglyceridlipasen) in ihre aktive Form überführen. Dies hat u. a. eine Abnahme der zytosolischen Calcium-Konzentration mit konsekutiver Hemmung der kontraktilen Elemente in der glatten Muskulatur (Darm, Uterus, Gefäßwand) zur Folge, wobei die Konzentration an Calcium-Ionen durch verstärkten Auswärtsstrom aus der Zelle und erhöhte Aufnahme in das sarkoplasmatische Retikulum reduziert wird.
Eine Steigerung der mukoziliären Clearance trägt zur Wirkung bei chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen bei.
β2-Sympathomimetika weisen zudem einen antiallergischen Effekt auf, da sie die Freisetzung von bronchokonstriktorisch wirksamen Mediatoren (wie Histamin, NCF [neutrophile chemotactive factor] und Prostaglandin D2) aus Mastzellen hemmen.
Die durch den Agonismus an β2-Rezeptoren der Gefäßwand hervor gerufene periphere Vasodilatation bewirkt konsekutiv einen reflektorischen positiv chronotropen Effekt ohne wesentliche Steigerung des Herzschlagvolumens. Der diastolische Blutdruck sinkt in der Regel, während der systolische Blutdruck absinken oder ansteigen kann.
Die metabolischen Wirkungen, die v. a. bei erhöhter Dosierung zum Tragen kommen, umfassen eine Senkung des Kalium-Spiegels in Folge erhöhter Aufnahme von Kalium-Ionen in die Skelett-Muskulatur sowie eine Steigerung des Glucose-, Lactat-, Glycerol- und Insulin-Spiegels und der Konzentration an freien Fettsäuren im Serum.
Am Tier wirken β2-Sympathomimetika in hohen Dosen hypertrophisch auf die quergestreifte Muskulatur, die klinische Relevanz ist bisher ungeklärt.

In therapeutischer Dosierung ist Salbutamol β2-selektiv und wird bei chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen mit reversibler Komponente eingesetzt.
Normalerweise führt Salbutamol nicht zu einer Stimulation des Zentralnervensystems.
Durch zunehmende Affinität an β1-Rezeptoren wirkt Salbutamol im höheren Dosisbereich positiv inotrop am Herzen.


Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen

- Überempfindlichkeit gegen Salbutamol
orale Anwendung retardierter Darreichungsformen, zusätzlich:
- Hyperthyreose/Thyreotoxikose
- Tachykardie, tachykarde Arrhythmie
- idiopathische hypertrophe subvalvuläre Aortenstenose


Relative Gegenanzeigen

- schwere Herzerkrankungen, insbesondere frischer Myokardinfarkt, koronare Herzkrankheit, hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie, tachykarde Arrhythmien
- schwere und unbehandelte Hypertonie
- Aneurysmen
- schwer kontrollierbarer Diabetes mellitus
- Phäochromozytom
- Schwangerschaft, v. a. 1. Trimenon
- Stillzeit
orale Anwendung nicht retardierter Darreichungsformen, zusätzlich:
- Hyperthyreose
- Alter < 23 Monate
bronchopulmonale Anwendung, zusätzlich:
- Alter < 20 Monate
- Hyperthyreose


Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.


Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
bronchopulmonale Anwendung:
- metabolische Veränderungen wie Hyperglykämie, Anstieg des Blut-Spiegels von Insulin, freien Fettsäuren, Glycerol, Ketonen
orale Anwendung:
- Unruhe-Gefühl (ggf. reversibel nach den ersten 1-2 Therapiewochen), Hyperaktivität (bei Kindern)
- Hypokaliämie

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)

bronchopulmonale Anwendung:
- Tremor
- Kopfschmerzen
- Tachykardie
orale Anwendung:
- v. a. bei besonderer Empfindlichkeit und/oder höherer Dosierung: feinschlägiger Tremor an Händen oder Fingern, Palpitationen (ggf. reversibel nach den ersten 1-2 Therapiewochen)
- Kopfschmerzen

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)

bronchopulmonale Anwendung:
- Schwitzen (ggf. reversibel nach den ersten 1-2 Therapiewochen)
- Unruhe, Schwindel (ggf. reversibel nach den ersten 1-2 Therapiewochen)
- Übelkeit (ggf. reversibel nach den ersten 1-2 Therapiewochen)
- Reizung/Missempfindungen im Mund- und Rachenbereich (ggf. reversibel nach den ersten 1-2 Therapiewochen)
- Palpitationen
- Muskelkrämpfe

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)

bronchopulmonale Anwendung:
- Hypokaliämie
- Myalgien
- ventrikuläre Extrasystolen, Angina pectoris, Hypertonie, Hypotonie
- periphere Vasodilatation
orale Anwendung:
- v. a. bei Prädisposition: kardiale Arrhythmien (u. a. Vorhofflimmern, supraventrikuläre Tachykardie, Extrasystolie), myokardiale Ischämien

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)

bronchopulmonale Anwendung:
- v. a. im Alter bis 12 Jahre: zentrale Stimulation mit Übererregbarkeit, hyperaktiven Verhaltensauffälligkeiten, Schlaf-Störungen, Halluzinationen
- Überempfindlichkeitsreaktionen, wie z. B. Juckreiz, Exanthem, Blutdruckabfall, Thrombozytopenie, Gesichtsödem, Nephritis
- Lactatazidose (v. a. bei der Behandlung akuter Asthma-Anfälle)
- Tachyarrhythmie (u. a. Vorhofflimmern, supraventrikuläre Tachykardie, Extrasystolie), myokardiale Ischämie
- paradoxer Bronchospasmus
orale Anwendung:
- Miktionsstörungen
- Sodbrennen
- Muskelkrämpfe
- akute Überempfindlichkeitsreaktionen (z. B. Anaphylaxie, Quincke-Ödem, Juckreiz, Urtikaria, Exanthem, Bronchospasmus, Blutdruckabfall, Kollaps)
- Lactatazidose