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Sertralin



 

Sertralin

Formel Sertralin

Wirkstoffklasse

  • Antidepressivum
  • selektiver Serotonin-Reuptake-Inhibitor (SSRI)

Fertigpräparate (Auswahl)

  • Zoloft® 
  • Sertralin HEXAL®
  • Sertralin dura®

Wirkung

Sertralin ist ein Antidepressivum aus der Klasse der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und in Deutschland zugelassen zur Rezidivprophylaxe depressiver Erkrankungen (Prävention des Wiederauftretens neuer depressiver Episoden) und zur Behandlung depressiver Erkrankungen (Episoden einer Major Depression).

Wirkungsmechanismus

Allgemeine Informationen zum Wirkmechanismus der SSRI und SNRI finden sich hier.

Sertralin hat sich in vitro als potenter und selektiver Hemmer der neuronalen Wiederaufnahme von Serotonin erwiesen, wodurch im Tiermodell dessen physiologische Wirkung verstärkt wurde. Es hat nur sehr schwache Effekte auf die neuronale Noradrenalin- oder Dopamin-Aufnahme (etwa 70fach höher Konzentrationen notwendig). In klinischen Dosierungen hemmt Sertralin die Aufnahme von Serotonin in menschliche Thrombozyten.
Da die volle therapeutische Wirkung aber erst mit einer Verzögerung von 2-3 Wochen eintritt, werden zusätzliche Veränderungen auf Rezeptorebene diskutiert. So soll Sertralin die serotonerge Neurotransmission durch Herabsetzung der Zahl der präsynaptischen inhibitorischen Autorezeptoren verstärken. Auch soll die Zahl der präsynaptischen 5-HT1-Rezeptoren abnehmen, was die autoregulatorische Inhibition der Serotoninfreisetzung vermindert und eine erhöhte Neurotransmission bedingt.
Sertralin hat sich in den tierexperimentellen Untersuchungen als frei von stimulierenden, sedierenden oder anticholinergen bzw. kardiotoxischen Effekten erwiesen. In experimentellen Studien bei Gesunden zeigte Sertralin keine sedierenden Eigenschaften und verändert nicht die psychomotorische Leistungsfähigkeit. Wegen seiner selektiven Hemmwirkung auf die Serotonin-Wiederaufnahme beeinflusst Sertralin die Katecholaminaktivität nicht. Es weist darüber hinaus keine Affinität zu Muskarin-, Serotonin-, Dopamin-, Histamin-, Benzodiazepin-, GABA- oder adrenergen Rezeptoren auf. Wie auch bei anderen klinisch wirksamen Antidepressiva war die chronische Verabreichung von Sertralin mit einer Verminderung der Ansprechbarkeit zerebraler Noradrenalinrezeptoren verbunden.
Im Vergleich mit anderen klinisch wirksamen Antidepressiva zeigt Sertralin ähnliche Effekte auf das Schlafprofil.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- bekannte Überempfindlichkeit gegen Sertralin

Relative Gegenanzeigen

- instabile Epilepsie: Erfahrungen sind begrenzt, Behandlung sollte vermieden werden.
- stabil kontrollierte Epilepsie: Anwendung nur bei sorgfältige Überwachung
- eingeschränkte Leberfunktion: Anwendung nur unter sorgfältiger Therapiekontrolle
- Schwangerschaft
- Stillzeit
- Leberfunktionsstörungen: Anwendung mit Vorsicht
- schwere Leberfunktionsstörungen: Eine Anwendung sollte nicht erfolgen, da keine klinischen Daten vorhanden sind.
- Manie/Hypomanie in der Vorgeschichte: Anwendung mit Vorsicht
- Elektrokrampftherapie (EKT): Es liegen keine klinischen Erfahrungen zur gleichzeitigen Durchführung einer EKT unter Einnahme von Sertralin vor; zur Vorsicht wird geraten.

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- Fälle von suizidalen Gedanken oder suizidalem Verhalten während der Therapie mit Sertralin oder kurze Zeit nach Beendigung der Behandlung sind berichtet worden.
- Das Absetzen von Sertralin führt, insbesondere wenn es abrupt geschieht, häufig zu Absetzreaktionen. Schwindelgefühl, Empfindungsstörungen (einschließlich Parästhesien), Schlafstörungen (einschließlich Schlaflosigkeit und intensiver Träume), Erregtheit oder Angst, Übelkeit und/ oder Erbrechen, Zittern und Kopfschmerzen sind die am häufigsten berichteten Reaktionen. Im Allgemeinen sind diese Symptome leicht bis mäßig schwer und gehen von selbst zurück, bei einigen Patienten können sie jedoch schwerwiegend sein und länger andauern.

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)

- Übelkeit, Diarrhö/weicher Stuhl
- Mundtrockenheit
- Tremor, Schwindel
- Schlaflosigkeit, Somnolenz, Anorexie
- Sexualstörungen (bei Männern hauptsächlich Ejakulationsverzögerung)

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)

- Dyspepsie
- vermehrtes Schwitzen
- Asthenie, Müdigkeit, Hitzewallungen
- Hautausschlag
- Brustschmerz, Palpitationen
- Verstopfung, abdominelle Schmerzen, Erbrechen
- Tinnitus
- Kopfschmerzen, Bewegungsstörungen (einschließlich extrapyramidale Symptome wie Hyperkinesie, erhöhter Muskeltonus, Zähneknirschen oder Gangstörungen), Parästhesie, Hypästhesie
- Gähnen, Agitiertheit, Angst
- Menstruationsstörungen
- Sehstörungen
- Absetzreaktionen treten bei einer Beendigung der Behandlung häufig auf, besonders wenn die Behandlung plötzlich abgebrochen wird. Schwindelgefühl, Empfindungsstörungen (einschließlich Parästhesien), Schlafstörungen (einschließlich Schlaflosigkeit und intensiver Träume), Erregtheit oder Angst, Übelkeit und/oder Erbrechen, Zittern und Kopfschmerzen sind die am häufigsten berichteten Reaktionen.

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)

- Unwohlsein, Gewichtszunahme, Gewichtsabnahme, Fieber
- Purpura, veränderte Funktion der Blutplättchen, veränderte Blutungsneigung (wie Epistaxis, gastrointestinale Blutungen oder Hämaturie)
- Pruritus, Alopezie, Erythema multiforme
- schwere Leberstörungen (einschließlich Hepatitis, Gelbsucht und Leberversagen), asymptomatische Erhöhungen der Serumtransaminasen (SGOT und SGPT); die Transaminasenveränderungen traten zumeist innerhalb der ersten 9 Wochen der Behandlung auf und verschwanden rasch wieder nach Absetzen der Therapie.
- periphere Ödeme, Hypertonie, periorbitale Ödeme, Synkope, Tachykardie
- abnorme Laborwerte
- verstärkter Appetit, Pankreatitis
- Mydriasis
- Migräne
- Euphorie, depressive Symptome, Halluzinationen, Manie, Hypomanie
- Arthralgie, Muskelkrämpfe
- Harninkontinenz

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)

- anaphylaktoide Reaktion, allergische Reaktionen, Allergie
- Leukopenie, Thrombozytopenie
- Gynäkomastie, Hyperprolaktinämie, Galactorrhoe, Hypothyreose, Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion
- Lichtempfindlichkeit der Haut, Urtikaria, Quincke-Ödem, schwere Hautexfoliation wie z.B. Stevens-Johnson-Syndrom und epidermale Nekrolyse
- Priapismus
- unwillkürliche Muskelkontraktionen, Koma, Krampfanfälle, Anzeichen und Symptome, die mit einem Serotonin-Syndrom assoziiert sind: Agitiertheit, Verwirrung, Diaphorese, Diarrhö, Fieber, Hypertonie, Rigidität und Tachykardie. In einigen Fällen traten diese Symptome zusammen mit dem gleichzeitigen Gebrauch von serotonergen Arzneimitteln auf.
- Libidoverlust (bei Frauen und Männern), Albträume, aggressive Reaktionen, Psychose
- Bronchospasmus
- Hyponatriämie, die sich nach Absetzen der Therapie zurückbildete. Einzelne Fälle standen möglicherweise im Zusammenhang mit dem Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion. Zumeist traten diese Nebenwirkungen bei älteren Patienten auf sowie bei Patienten, die Diuretika oder andere Medikamente einnahmen.
- Erhöhte Serumcholesterolwerte
- Gesichtsödem, Harnretention
- In Depressionsstudien wurden bei etwa 0,08% der Patienten, die mit Sertralin behandelt wurden, epileptische Anfälle beobachtet. In Panikstudien traten bei keinem Patienten, der mit Sertralin behandelt wurde, epileptische Anfälle auf. In Studien zu Zwangsstörungen wurden bei 4 von ungefähr 1800 Patienten (0,2%) epileptische Anfälle beobachtet. Drei dieser Patienten waren Jugendliche, zwei mit einem bekannten Anfallsleiden und einer, bei dem in der Familie ein Anfallsleiden bekannt war. Keiner dieser Patienten hatte Antikonvulsiva eingenommen. In allen Fällen war der Kausalzusammenhang nicht gesichert.
- Psychomotorische Unruhe/Akathisie