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Sibutramin



 

Sibutramin

Der Arzneistoff Sibutramin wird als Racemat [1:1-Mischung der Enantiomeren, (S)-Form oben und (R)-Form unten] eingesetzt.

Formel Sibutramin

Wirkstoffklasse

  • indirektes Sympatomimetikum
  • Anorektikum
  • Antiadipositum
  • SNRI

Fertigpräparate

  • Reductil® 10mg
  • Reductil® 15mg 

Vorbemerkung

In Deutschland ist Sibutramin aufgrund starker unerwünschter Wirkungen als bedenklich im Sinne des Arzneimittelgesetzes eingestuft und nur in stark begrenzten Dosierungen als Arzneimittel zugelassen. In Italien wurde es im Jahr 2002 auf Grund von zwei Todesfällen vom Markt genommen.

Am 22. Januar 2010 informierte der Hersteller Abbott, dass die Zulassung für Arzneimittel die den Wirkstoff Sibutramin enthalten ruhen. Weiter Informationen finden sie hier.

Wirkung

Sibutramin ist ein Serotonin-/Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) zur unterstützenden Behandlung von ernährungsbedingter Adipositas.

Wirkungsmechanismus

Allgemeine Informationen zum Wirkmechanismus der SSRI und SNRI finden sich hier.

Sibutramin entfaltet seine therapeutischen Wirkungen in erster Linie über die aktiven sekundären und primären Aminmetaboliten (Metabolit 1 (Mono-desmethyl-Sibutramin) und Metabolit 2 (Di-desmethyl-Sibutramin)), die die Wiederaufnahme von Noradrenalin, Serotonin (5HT) und Dopamin hemmen. Im menschlichen Hirngewebe sind die Metaboliten 1 und 2 als In vitro-Hemmer der Noradrenalin- und Serotoninwiederaufnahme etwa 3mal wirksamer als Hemmer der Dopaminwiederaufnahme. Plasmaproben von mit Sibutramin behandelten Probanden bewirkten eine signifikante Hemmung sowohl der Wiederaufnahme von Noradrenalin (73%) als auch der Wiederaufnahme von Serotonin (54%), jedoch keine signifikante Hemmung der Wiederaufnahme von Dopamin (16%). Sibutramin und seine Metaboliten setzen weder Monoamine frei, noch hemmen sie die Monoaminoxidase. Zu zahlreichen Neurotransmitterrezeptoren besteht keine Affinität. Hierzu gehören serotonerge (5-HT1, 5-HT1a, 5-HT1b, 5-HT2a, 5-HT2c), adrenerge (beta1, beta2, beta3, alpha1, alpha2), dopaminerge (D1-ähnliche, D2-ähnliche), muskarinische, histaminerge (H1), Benzodiazepin- und NMDA-Rezeptoren.

Im Tiermodell an normalgewichtig heranwachsenden und adipösen Ratten, reduziert Sibutramin die Gewichtszunahme. Diese Wirkung beruht vermutlich auf der Beeinflussung der Nahrungsaufnahme, d.h. einer Verstärkung des Sättigungsgefühls, wahrscheinlich trägt aber auch eine erhöhte Thermogenese zur Gewichtsreduktion bei. Es konnte gezeigt werden, dass diese Wirkungen durch die Hemmung der Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin vermittelt werden.

In klinischen Studien am Menschen wurde gezeigt, dass Sibutramin zu einer Gewichtsabnahme durch eine Erhöhung des Sättigungsgefühls führt. Es liegen auch Daten vor, die eine thermogene Wirkung von Sibutramin durch Abschwächung des adaptiven Rückgangs der metabolischen Rate in Ruhe während des Gewichtsverlusts aufzeigen. Der durch Sibutramin bewirkte Gewichtsverlust geht mit positiven Veränderungen bei den Serumlipiden und der glykämischen Kontrolle bei Patienten mit Dyslipidämie bzw. Diabetes mellitus Typ 2 einher. Bei übergewichtigen Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 war die Gewichtsreduktion nach Sibutramin mit einer durchschnittlichen Verringerung des HbA1c-Wertes um 0,6% (Prozentpunkte) verbunden. Entsprechend war bei übergewichtigen Patienten mit Dyslipidämie die Gewichtsreduktion mit einer Erhöhung des HDL-Cholesterolwertes um 12-22% und einer Abnahme des Triglyceridwertes um 9-21% verbunden.


Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- Bekannte Überempfindlichkeit gegen Sibutramin
- Organische Ursachen der Adipositas
- Schwerwiegende Essstörungen in der Anamnese
- Psychiatrisch zu behandelnden Erkrankungen
- Tourette-Syndrom
- Gleichzeitige oder weniger als 2 Wochen zurückliegende Anwendung von MAO-Hemmern sowie anderen auf das ZNS wirkende Mittel zur Behandlung von psychischen Erkrankungen (z.B. Antidepressiva, Neuroleptika), von Schlafstörungen (Tryptophan), oder zur Gewichtsreduktion
- Koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Tachykardie, periphere arterielle Verschlusskrankheit, Herzrhythmusstörungen, oder zerebrovaskuläre Erkrankung (Schlaganfall oder TIA) in der Anamnese
- Unzureichend eingestellte Hypertonie (>145/90 mmHg)
- Hyperthyreose
- Schwere Leberfunktionsstörung
- Schwere Nierenfunktionsstörung und bei dialysepflichtigen Patienten mit terminalem Nierenversagen
- Benigne Prostatahyperplasie mit Restharnbildung
- Phäochromozytom
- Drogen-,Arzneimittel- oder Alkoholabusus in der Anamnese - Schwangerschaft
- Stillzeit

Relative Gegenanzeigen
- Epilepsie
- leichte bis mittelgradige Leberfunktionsstörung
- leichte bis mittelgradige Nierenfunktionsstörung
- motorisch-verbale Tics in der Familienanamnese
- Weitwinkelglaukom
- erhöhter Augeninnendruck in der Familienanamnese
- Blutungsneigung
- Depression in der Anamnese

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- Thrombozytopenie
- Purpura Schoenlein-Henoch
- allergische Hautreaktionen (leichte Hautausschläge, Urtikaria, Angioödem, Anaphylaxie)
- Depressionen
- Krampfanfälle
- Sehstörungen
- Diarrhoe
- Erbrechen
- akute interstitielle Nephritis
- mesangiokapilläre Glomerulonephritis
- Harnverhaltung
- Ejakulations-/ Orgasmusabnormitäten
- Impotenz
- Störungen des Menstruationszyklus
- Reversibler Anstieg der Leberenzyme
- schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse: Arrhythmie, Herzinsuffizienz, Herzstillstand, Herzinfarkt, Kammerflimmern
- Gedächtnisstörungen

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)

- Obstipation
- trockener Mund
- Schlaflosigkeit

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)

- Tachykardie
- Palpitationen
- Blutdruckerhöhung, Hypertonie
- Vasodilatation, Flush
- Übelkeit
- Zunahme hämorrhoidaler Beschwerden
- Parästhesien
- Kopfschmerzen
- Angstgefühle
- Schwindel
- Schwitzen
- Geschmacksstörungen

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)

- Entzugssymptome wie Kopfschmerzen und gesteigerter Appetit

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)

Bei einem Patienten mit einer schizo-affektiven Störung, die vermutlich bereits vor der Behandlung bestand, kam es nach der Behandlung zu einem akuten psychotischen Anfall.




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