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Sildenafil

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Sildenafil

Formel Sildenafil

Wirkstoffklasse

  • PDE-5-Hemmer

Fertigpräparate

  • Viagra® 
  • Revatio®

Wirkung

Sildenafil ist ein selektiver Hemmstoff der cGMP-spezifischen Phosphodiesterase Typ 5 (PDE5), die vor allem in der glatten Muskulatur und den Endothelzellen des Penis und in den Lungenarterien lokalisiert ist. Sildenafil wird zur Behandlung von Männern mit erektiler Dysfunktion unterschiedlicher Genese und zur Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit bei Patienten mit pulmonaler arterieller Hypertonie (PAH) der WHO-Funktionsklasse II und III angewendet.

Wirkungsmechanismus

Phosphodiesterasen (PDE) sind Enzyme, die Phosphorsäurediester-Bindungen in Nukleotiden wie z.B. cAMP oder cGMP hydrolytisch aufspalten. Zurzeit sind 11 Phosphodiesterasen bekannt, die sich in ihrer Funktion und ihrer Gewebeverteilung unterscheiden und unterschiedliche Spezifitäten aufweisen.
Die cGMP-spezifische Phosphodiesterase Typ 5 (PDE5) ist die wichtigste PDE im menschlichen Corpus cavernosum (Schwellkörper des Penis). Sie findet sich zudem in der glatten Muskulatur der Gefäße und inneren Organe, im Skelettmuskel, in den Thrombozyten, in der Niere und im Kleinhirn.
Phosphodiesterase-Hemmstoffe (PDE-Hemmer) sind Strukturanaloga der Substrate der Phosphodiesterasen und dadurch in der Lage, diese in ihrer Funktion zu hemmen.
Die PDE5-Hemmer Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil, die ursprünglich zur Therapie koronarer Ischämien entwickelt wurden, verhindern im Corpus cavernosum den Abbau von cGMP zum inaktiven GMP und verlängern dadurch die Wirkung dieses Second messengers. Ohne sexuelle Stimulation und die damit verbundene Freisetzung des Botenstoffes Stickstoffmonoxid (NO) zeigen die PDE5-Hemmer keine Wirkung, denn NO stößt eine Enzymkaskade an, die erst zur Bildung des cGMP führt.

Sildenafil ist ein Wirkstoff zur oralen Behandlung der erektilen Dysfunktion unterschiedlicher Genese (neurogen, vaskulogen, psychogen, Arzneimittel-induzierte erektile Dysfunktion sowie gemischte Ätiologie) und der pulmonalen arterieller Hypertonie (PAH) der WHO-Funktionsklasse II und III.
Bei der erektilen Dysfunktion wird auf natürliche Weise, d.h. durch sexuelle Stimulation, die gestörte Erektionsfähigkeit durch eine Steigerung des Bluteinstroms in den Penis wieder hergestellt.

Der für die Erektion des Penis verantwortliche physiologische Mechanismus schließt die Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO) während der sexuellen Stimulation ein. NO wird aus verschiedenen Rückenmarksnerven und aus Nervensträngen des Penis freigesetzt und aktiviert das Enzym Guanylatcyclase, was zu erhöhten Spiegeln an cyclischem Guanosinmonophosphat (cGMP) führt. cGMP fungiert als Second messenger für G-Protein-gekoppelte Proteinkinasen, die an der Regulation des Gefäßtonus der Arteriolen in den Corpora cavernosa beteiligt sind. Der Mechanismus, über den die Gefäßmuskelrelaxation und der Bluteinstrom in die Schwellkörper stattfindet, ist noch nicht endgültig aufgeklärt. Wahrscheinlich ist daran eine Senkung der intrazellulären Calciumkonzentration, eine Dephosphorylierung leichter Myosinketten sowie eine Stimulation von Kaliumkanälen beteiligt.
Durch die PDE5 kommt zum Abbau des cGMP und zur Detumeszenz des Penis. Sildenafil ist ein wirksamer und selektiver Hemmstoff der cGMP-spezifischen PDE5 im Corpus cavernosum. Der Wirkstoff übt keinen direkten relaxierenden Effekt auf isoliertes menschliches Corpus cavernosum-Gewebe aus, verstärkt jedoch die relaxierende Wirkung von NO auf dieses Gewebe. Wenn unter sexueller Stimulation die Aktivierung des NO/cGMP-Stoffwechselweges stattfindet, bewirkt die PDE5-Hemmung durch Sildenafil erhöhte cGMP-Spiegel im Corpus cavernosum. Daher ist eine sexuelle Stimulation nötig, damit Sildenafil den beabsichtigten günstigen pharmakologischen Effekt entwickeln kann. Sildenafil ist wirkungslos, wenn intrazellulär nicht genügend cGMP-Moleküle vorliegen; dies kann außer bei fehlender sexueller Stimulation auch bei Läsionen der penilen Innervation und bei enzymatischen Defekten der NO- oder cGMP-Synthese der Fall sein.

Die Wirksamkeit von Sildenafil bei psychogener erektiler Dysfunktion beträgt über 85%, bei organisch bedingter erektiler Dysfunktion über 65%. Auch bei definierten organischen Krankheitsbildern wie Diabetes mellitus, partiellen Querschnittslähmungen oder Zustand nach radialen Beckeneingriffen (z.B. radiale Prostatovesikuloektomie) werden hohe Effektivitätsraten erzielt. Nach radialen Beckeneingriffen ist die Wirksamkeit mit ca. 43% am niedrigsten, was durch die Zerstörung der erektilen periprostatischen Nervenbündel erklärbar ist, da die Wirkung von Sildenafil auf einem intakten nervalen Input über den NO-Stoffwechselweg beruht. Studien zeigen keine Wirksamkeitsunterschiede in Bezug auf Schweregrad der vorliegenden Dysfunktion, Ätiologie, Rasse und Alter der Patienten.
In vitro-Studien zeigten, dass Sildenafil für die am Erektionsprozess beteiligte PDE5 selektiv ist. Es wirkt stärker auf PDE5 als auf andere bekannte Phosphodiesterasen. Gegenüber der PDE6, die am Phototransduktionsprozess der Retina beteiligt ist, hat Sildenafil eine 10-fach höhere Selektivität. Bei den maximalen empfohlenen Dosierungen zeigte sich eine 80-fach höhere Selektivität gegenüber PDE1 und eine über 700-fach höhere Selektivität gegenüber PDE2, PDE3, PDE4, PDE7, PDE8, PDE9, PDE10 und PDE11. Sildenafil hat insbesondere eine mehr als 4000-fach höhere Selektivität für PDE5 im Vergleich zu PDE3, dem an der Steuerung der kardialen Kontraktilität beteiligten cAMP-spezifischen Phosphodiesterase-Isoenzym.
Sildenafil bewirkt eine geringe und vorübergehende Reduktion des Blutdrucks, die in den meisten Fällen keine klinisch relevanten Erscheinungen zur Folge hat. Im Mittel betrugen die maximalen Blutdrucksenkungen im Liegen nach Einnahme von 100 mg Sildenafil systolisch 8,4 mmHg und diastolisch 5,5 mmHg. Diese Blutdrucksenkung spiegelt den vasodilatatorischen Effekt von Sildenafil wider, möglicherweise aufgrund erhöhter cGMP-Spiegel in der glatten Gefäßmuskulatur.

Die PDE5 ist außer in den glatten Muskulatur und den Endothelzellen des Penis in weiteren Geweben, so auch in den Lungenarterien, lokalisiert. Wichtigster Stimulator der cGMP-Bildung ist auch hier das überwiegend von Endothelzellen gebildete Stickstoffmonoxid. Während NO im Corpus cavernosum jedoch nur auf einen sexuellen Stimulus hin gebildet wird, wird es in der Lunge permanent in großen Mengen synthetisiert.
Bei Patienten mit PAH treten Symptome wie Atemnot bei körperlicher Belastung, Brustenge und Herzrasen auf. Wird die Erkrankung nicht rechtzeitig behandelt, können die Patienten an Herversagen sterben. Sildenafil kann durch Steigerung des Relaxationsvermögens der Gefäße den Druck in den Lungengefäßen senken und die Sauerstoffaufnahme verbessern. Sildenafil erhöht außerdem die Auswurfleistung des Herzens, dadurch können Belastbarkeit und Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessert werden.
Orale Einzeldosen von bis zu 100 mg Sildenafil zeigten bei gesunden Probanden keine klinisch relevanten EKG-Veränderungen. In der Langzeitanwendung von 3-mal täglich 80 mg Sildenafil bei Patienten mit PAH wurden keine signifikanten Veränderungen des EKG beobachtet.
In einer Studie mit Patienten mit schwerer Koronarer Herzkrankheit (>70%-ige Stenose mindestens einer Koronararterie) beeinflusste Sildenafil in einer oralen Einzeldosis von 100 mg weder das Herzminutenvolumen noch beeinträchtigte es die Durchblutung in den stenosierten Koronararterien.
Der Einfluss von Sildenafil auf die Mortalität ist nicht bekannt.
Mit dem Vorkommen der PDE5 in diversen anderen Geweben (glatte Muskulatur des Gastrointestinaltraktes, Nasenschleimhaut, Thrombozyten) lassen sich die meisten Nebenwirkungen von Sildenafil erklären.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Sildenafil
- Patienten, die aufgrund einer nicht arteriitischen anterioren ischämischen Optikusneuropathie (NAION) ihre Sehkraft auf einem Auge verloren haben, unabhängig davon, ob der Sehverlust mit einer vorherigen Einnahme eines PDE5-Hemmers in Zusammenhang stand oder nicht.
Bei Patienten mit folgenden Erkrankungen wurde die Sicherheit nicht untersucht, daher ist eine Anwendung kontraindiziert:
- Hypotonie (Blutdruck <90/50 mmHg)
- schwere Leberinsuffizienz (Child Pugh-Klasse C)
- kürzlich erlittener Schlaganfall oder Herzinfarkt (Angabe aus der Literatur: Patienten nach überstandenem Myokardinfarkt oder Schlaganfall sollte Sildenafil frühestens nach 6 Monaten verordnet werden.)
- erblich bedingte degenerative Retinaerkrankungen, wie Retinitis pigmentosa (eine Minderheit dieser Patienten hat eine genetisch bedingte Störung der retinalen Phosphodiesterasen)
- Behandlung von Patienten unter 18 Jahren
erektile Dysfunktion:
- Behandlung von Frauen
- Behandlung von Patienten, denen von sexueller Aktivität abzuraten ist (z.B. Patienten mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie instabiler Angina pectoris oder schwerer Herzinsuffizienz)

Relative Gegenanzeigen
- Patienten mit erhöhter Empfindlichkeit gegenüber gefäßerweiternden Substanzen (Patienten mit einer Obstruktion des linksventrikulären Ausflusstraktes, z.B. Aortenstenose, hypertrophische obstruktive Kardiomyopathie, oder Patienten mit dem seltenen Syndrom der Multisystematrophie)
- Patienten mit anatomischen Penismissbildungen wie Angulation, Fibrose im Bereich der Corpora cavernosa oder Peyronie-Krankheit
- Patienten mit für Priapismus prädisponierenden Erkrankungen (wie Sichelzellanämie, Plasmozytom, Leukämie)
- Kombination mit anderen Behandlungen einer erektilen Dysfunktion (bisher keine Studien zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von diesen Kombinationen)
- Patienten mit Blutgerinnungsstörungen oder aktiven peptischen Ulzera (mit Vorsicht bzw. nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung)
PAH:
- Schwangerschaft
- Stillzeit
- Patienten mit PAH der Funktionsklassen I und IV (keine Erfahrungen)
- Patienten mit PAH in Verbindung mit einer Bindegewebskrankheit (erhöhtes Blutungsrisiko zu Therapiebeginn unter laufender Behandlung mit einem Vitamin K-Antagonisten)

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- Photosensibilisierung, allergische Reaktionen, Gesichtsödem, Schmerzen, Bauchschmerzen
- Stomatitis, Gingivitis, Mundtrockenheit, Durst, abnorme Leberfunktionstests, rektale Hämorrhagie
- Anämie, Leukopenie
- instabiler Diabetes, Hyperglykämie, Hyperurikämie, hypoglykämische Reaktion, Hypernatriämie
- Arthritis, Arthrose, Sehnenruptur, Tenosynovitis, Synovitis
- Ataxie, Neuralgie, Neuropathie, Parästhesie, Tremor, Depression, Insomnie, abnorme Träume, verminderte Reflexe
- Asthma, Dyspnoe, Laryngitis, Pharyngitis, Sinusitis, Bronchitis, vermehrtes Sputum, verstärkter Husten
- Urtikaria, Herpes simplex, Pruritus, Schwellung, Hautulcera, Kontaktdermatitis, exfoliative Dermatitis
- Mydriasis, Konjunktivitis, Photophobie, trockene Augen
- Taubheit, Ohrenschmerzen
- Verletzungen oder Stürze
- Frösteln
- Zystitis, Nykturie, Brustvergrößerung, Harninkontinenz, abnorme Ejakulation, genitales Ödem, Anorgasmie
- verlängerte Erektion, Krampfanfälle
- Muskelschmerzen (in Fällen häufigerer als der empfohlenen Einnahme)
Schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse, einschließlich Herzinfarkt, instabile Angina pectoris, plötzlicher Herztod, ventrikuläre Arrhythmie, zerebrovaskuläre Blutung, transitorische ischämische Attacke, Hypertonie und Hypotonie wurden nach Markteinführung im zeitlichen Zusammenhang mit dem Gebrauch von Sildenafil gemeldet. Die meisten dieser Patienten, aber nicht alle, hatten vorbestehende Risikofaktoren. Für viele Ereignisse wurde gemeldet, dass sie während oder kurz nach dem Geschlechtsverkehr auftraten, und für einige wenige, dass sie kurz nach dem Gebrauch von Sildenafil ohne sexuelle Aktivität auftraten. Es ist unmöglich zu unterscheiden, ob diese Ereignisse direkt mit diesen Faktoren oder mit anderen Faktoren zusammenhängen.
PAH:
- Hautausschlag

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)
erektile Dysfunktion:
-- Kopfschmerzen
PAH:
-- Kopfschmerzen
-- Flush
-- Durchfall
-- Dyspepsie
-- Gliederschmerzen

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)
erektile Dysfunktion:
-- Flush
-- Schwindel
-- Sehstörungen (erhöhte Lichtempfindlichkeit, unscharfes Sehen,)
-- Chromatopsie (leicht und vorübergehend, zumeist Veränderungen des Farbsehens)
-- verstopfte Nase
-- Dyspepsie
PAH:
-- Rückenschmerzen, Myalgie
-- Husten, Nasenbluten
-- Schlaflosigkeit
-- Fieber
-- Grippe
-- Anämie
-- Vertigo
-- Retinablutungen, Sehstörungen, verschwommenes Sehen, Photophobie, Chromopsie, Zyanopsie, Augenreizungen, blutunterlaufene Augen/Augenrötungen
-- abdominelles Spannungsgefühl, Gastritis, Gastroenteritis, gastroösophagaler Reflux, Hämorrhoiden
-- Mundtrockenheit
-- Sinusitis, Cellulitis
-- Gewichtszunahme
-- Flüssigkeitsretention
-- Parästhesie, Tremor, Gefühl des Brennens, Migräne, Hypästhesie
-- Angst
-- Bronchitis, Rhinitis, Nasenschleimhautschwellung
-- Alopezie, Erythem
-- nächtliche Schweißausbrüche

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)
erektile Dysfunktion:
-- Somnolenz, Hypästhesie
-- Vertigo, Tinnitus
-- Palpitationen
-- Bindehautstörung, Tränenflussstörung, andere Augenstörungen
Bei der Post-Marketing-Überwachung wurden gelegentlich oder selten berichtet:
-- Augenschmerzen und Augenrötung/blutunterlaufene Augen, nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION), Verschluss von Netzhautgefäßen, Gesichtsfeld-Defekte
-- Tachykardie, ventrikuläre Arrhythmie, instabile Angina pectoris, plötzlicher Herztod
-- Synkope, zerebrovaskuläre Blutungen, transitorische ischämische Attacke
-- Erbreche, Übelkeit, trockener Mund
-- Hautausschlag
-- prolongierte Erektion, Priapismus
-- Myalgie
-- Brustschmerzen, Müdigkeit
-- erhöhte Herzfrequenz
PAH:
-- Verminderte Sehschärfe, Doppeltsehen, Fremdgefühl im Auge
-- Gynäkomastie

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)
- Überempfindlichkeitsreaktionen
- Schlaganfall
- plötzliche Schwerhörigkeit oder Taubheit
- Hypertonie, Hypotonie
- Herzinfarkt, Vorhofflimmern
- Nasenbluten