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Sparfloxacin


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Sparfloxacin

Formel Sparfloxacin


Wirkstoffklasse

  • Antibiotikum
  • Gyrasehemmer

Fertigpräparate

  • ZAGAM® außer Handel
keine Fertigarzneimittel im Handel

Vorbemerkung

Sparfloxacin wurde mit Beginn des Jahres 2001 in Deutschland aus dem Handel genommen. Bereits vor der Marktrücknahme wurde aufgrund unerwünschter Wirkungen in Deutschland die Anwendung vom BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) auf Pneumonien durch resistente Pneumokokken beschränkt.

Wirkung

Das Antibiotikum Sparfloxacin ist ein Gyrase-Hemmer der 2. Generation. Durch die Hemmung der bakteriellen Gyrase (Topoisomerase II) verhindert die Substanz die erforderliche Entdrillung und Verdrillung der DNA in der Bakterienzelle, was bei empfindlichen Bakterien zum Zusammenbruch des Stoffwechsels führt. Sparfloxacin wirkt bakterizid auf viele aerobe gramnegative, grampositive und atypische Bakterien. Die Substanz zählt zu den Breitspektrum-Antibiotika.

Wirkungsmechanismus

Sparfloxacin ist ein difluoriniertes Chinolonderivat mit struktureller Verwandtschaft zu Ciprofloxacin. Sein Wirkspektrum ist vergleichbar mit dem anderer Fluorchinolone, jedoch mit einer verstärkten in vitro Aktivität gegenüber grampositiven Erregern, wie z.B. Streptococcus pneumoniae sowie intrazellulären Erregern und Anaerobiern. Es umfasst alle relevanten Erreger von ambulant erworbenen Atemwegsinfektionen, wie z.B. Staphylokokken, Haemophilus influenza, Moraxella catarrhalis, Klebsiella pneumoniae, Chlamydia pneumoniae und Mycoplasma pneumoniae. Gegenüber Pseudomonas aeruginosa ist Sparfloxacin weniger aktiv als Ciprofloxacin.

Aufgrund seines schweren Nebenwirkungsprofils war die Anwendung von Sparfloxacin auf die Behandlung radiologisch bestätigter, ambulant erworbener Lungenentzündungen beschränkt, die auf eine konventionelle Therapie nicht angesprochen haben und entweder durch Pneumokokken verursacht wurden, die hochgradig resistent gegen Penicillin (MHK ≥ 2 mg/l) und andere Antibiotika waren, oder in einem epidemiologischen Umfeld auftraten, das auf ein hohes Risiko eines solchen multiresistenten Stammes hinweist.

Eine schwerwiegende unerwünschte Nebenwirkung ist die Phototoxizität, einschließlich Manifestationen von Sonnenbrand, Erythema und schweren bullösen Läsionen. Manchmal wurde das Wiederauftreten der Symptome nach erneuter Exposition gegenüber Sonnenlicht sogar mehrere Wochen nach Beendigung der Behandlung beobachtet. Die Häufigkeit des Auftretens von phototoxischen Reaktionen ist höher als bei anderen Fluorchinolonen. Phototoxizität kann bei bewölktem Wetter oder sogar bei Abwesenheit von direkter Sonnenexposition auftreten. Folglich sollte den Patienten geraten werden, während der gesamten Dauer der Behandlung und für 5 Tage nach Beendigung der Behandlung eine Exposition gegenüber Sonnenlicht, hellem Licht und UV-Strahlung zu vermeiden. Die Patienten müssen angewiesen werden, bei den ersten Anzeichen oder Symptomen von Phototoxizität die Behandlung mit Sparfloxacin abzubrechen und jede weitere Exposition gegenüber Sonnenlicht, hellem Licht oder UV-Strahlung für die nächsten 5 Tage zu vermeiden.

Vorteilhaft ist die hohe orale Bioverfügbarkeit, lange Halbwertszeit und sehr gute Gewebegängigkeit von Sparfloxacin.

Mehr zum Wirkmechanismus von Gyrasehemmern findet sich hier


Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen

- Exposition gegenüber Sonnenlicht, hellem, natürlichem Licht und UV-Strahlen.
- Phototoxische Reaktionen in der Anamnese.
- Überempfindlichkeit gegenüber Sparfloxacin oder gegenüber anderen Wirkstoffen aus der Familie der Chinolone.
- Gleichzeitige Einnahme von Amiodaron, Sotalol und Bepridil: Risiko von Torsades de pointes aufgrund einer Verlängerung des QTc-Intervalls (additive elektrophysiologische Effekte).
- Sehnenerkrankungen mit Fluorchinolonen in der Anamnese.
- Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase-Mangel.
- bekannte, angeborene oder erworbene QTc-Verlängerung.
- Schwangerschaft.
- Kinder bis zum Ende der Wachstumsphase.

Relative Gegenanzeigen

- Stillzeit;
- Gleichzeitige Anwendung von Arzneimitteln mit bekannter QTc-verlängernder und/oder Torsades-de-pointes-induzierender Wirkung;
- Risikofaktoren für die Entwicklung einer Neurotoxizität (incl. einer Nierenfunktionsstörung ohne Dosisanpassung), bzw. eine bestehende ZNS-Erkrankung.


Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 10%)

Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Abdominalschmerzen, Gastralgie.

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (1-10%)

- Phototoxizität einschließlich Manifestationen von Sonnenbrand, Erythema und schweren bullösen Läsionen. Manchmal wurde das Wiederauftreten der Symptome nach erneuter Exposition gegenüber Sonnenlicht mehrere Wochen nach Beendigung der Behandlung beobachtet.
- Hautreaktionen: Ausschlag, Pruritus, Schwellungen, Bläschen.
- Leber: Transaminasenerhöhung.
- Zentrales Nervensystem: Tremor, Trunkenheitsgefühl, Parästhesie, Sinnesstörungen, Kopfschmerz und Schwindel.

Seltene unerwünschte Wirkungen (< 1%)

- Schwerwiegende Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, Erythema exsudativum multiforme)
- Kardiovaskuläres System: Seltene Fälle von Herzrhythmusstörungen einschließlich Torsades de pointes, Arrhythmie, Bradykardie, Tachykardie und ventrikulärer Tachykardie
- Magen-Darm-Trakt: Pseudomembranöse Colitis
- Körper insgesamt: seltene Fälle von Überempfindlichkeit, einschließlich Urtikaria, Angioödem, anaphylaktischer Schock und Quincke-Ödem
- Blut: Purpura thrombopenica
- Respirationstrakt: Asthma

Unerwünschte Wirkungen, Einzelfälle

- Blut: einzelne Fälle von Thrombozytopenie.

Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit

- Leber: (von anderen Chinolone bekannt) cholestatische Hepatitis, Ikterus, Leberzellschädigung, Hepatitis, Leberversagen, Lebernekrose.
- Muskel- und Skelettsystem: Muskel- oder Gelenkschmerzen, Myalgien, Sehnenentzündung, Sehnenriss.
- Psychiatrisch zu behandelnde Störungen: Halluzinationen, Schlafstörungen bei Beginn der Behandlung.
- Störungen am Auge: Konjunktivitis und Uveitis.