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Sugammadex
Wirkstoffklasse
Cyclodextrin
Antidot
Rocuronium-/Vecuroniumantagonist
Fertigpräparate
Bridion®
Wirkung
Sugammadex ist ein modifiziertes
Gamma-Cyclodextrin, bei dem es sich um eine selektiv relaxanzbindende
Substanz handelt. Es wird zur schnellen Aufhebung der Wirkung von
Rocuronium und Vecuronium (beides quartäre Muskelrelaxantien
vom Steroidtyp) eingesetzt. Bei
pädiatrischen Patienten wird Sugammadex nur zur
routinemäßigen Aufhebung einer
Rocuronium-induzierten
Blockade empfohlen.
Wirkungsmechanismus
Sugammadex bildet mit
den neuromuskulär blockierenden Substanzen Rocuronium oder
Vecuronium
im Plasma einen Komplex, wodurch die Menge der für die Bindung
an den
nikotinergen Rezeptoren in der neuromuskulären Endplatte zur
Verfügung
stehenden neuromuskulär blockierenden Substanz reduziert wird.
Dies
führt zu einer Aufhebung der Rocuronium- oder
Vecuronium-induzierten
Blockade.
Nach intravenöser Gabe von Sugammadex wird das freie
Muskelrelaxans enkapsuliert (in das Molekül(-zentrum)
eingeschlossen, siehe auch 3D-Bild unten). Dadurch entsteht ein
Konzentrationsgradient für das Relaxans von der
neuromuskulären Endplatte in den Intravasalraum, so dass
sekundär weiteres folgt und enkapsuliert wird. Durch diesen
Prozess wird die Wirkung des Muskelrelaxans beendet. Im Unterschied zu
den bislang verfügbaren Muskelrelaxans-Antagonisten
(Acetylcholinesterase-Inhibitoren wie Neostigmin) erfolgt damit die
Wirkung nicht an der neuromuskulären Endplatte. Weiterhin
tritt
die Wirkung nach 2 bis 3 Minuten ein und damit um ein vielfaches
schneller als bei den bislang verfügbaren Antagonisten.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Sugammadex darf nicht angewendet werden,
bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.
Bei Patienten mit schwer eingeschränkter Nierenfunktion
(Kreatinin-Clearance < 30 ml/min) war die Ausscheidung von
Sugammadex bzw. des Sugammadex-Rocuronium-Komplexes verzögert.
Zeichen eines erneuten Auftretens der neuromuskulären Blockade
ergaben sich bei diesen Patienten jedoch nicht. Daten einer limitierten
Anzahl von Patienten mit dialysepflichtiger Niereninsuffizienz zeigen
eine uneinheitliche Reduktion der Plasmaspiegel von Sugammadex durch
die Hämodialyse. Die Anwendung von Sugammadex bei Patienten
mit
schwer eingeschränkter Nierenfunktion wird nicht empfohlen.
Sugammadex wird von der Leber weder metabolisiert noch ausgeschieden.
Daher wurden keine speziellen Studien bei Patienten mit
Leberinsuffizienz durchgeführt. Patienten mit schwer
eingeschränkter Leberfunktion sollten mit besonderer Vorsicht
behandelt werden.
Sugammadex wurde nicht bei Patienten untersucht, die Rocuronium oder
Vecuronium in der intensivmedizinischen Anwendung erhielten.
Sugammadex sollte nicht zur Aufhebung einer Blockade durch
nicht-steroidale neuromuskulär blockierende Substanzen wie
z.B.
Succinylcholin oder Benzylisochinoline eingesetzt werden.
Wegen fehlender Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit sollte Sugammadex
nicht zur Aufhebung einer Blockade durch andere steroidale
neuromuskulär blockierende Substanzen als Rocuronium oder
Vecuronium eingesetzt werden. Es liegen begrenzt Daten zur Aufhebung
einer Pancuronium-induzierten Blockade vor, aber die Anwendung von
Sugammadex hierfür wird nicht empfohlen.
Nebenwirkungen
(unerwünschte
Wirkungen)
Es handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Sehr
häufige unerwünschte Wirkungen (≥ 10%):
- Dysgeusie (Geschmacksstörung)
Häufige
unerwünschte Wirkungen (≥ 1% und < 10%):
- Narkosekomplikationen, hinweisend auf ein Wiedereinsetzen der
neuromuskulären Funktion, umfassen Bewegung der
Gliedmaßen
oder des Körpers oder Husten während der Narkose oder
während der Operation, Grimassieren oder Saugen am
Endotrachealtubus.
- In der Datenbank gepoolter Phase I-III Studien mit einer
Placebogruppe war die Inzidenz desWiederauftretens einer Blockade
während der neuromuskulären Überwachung 2%
nach
Sugammadex und 0% in der Placebogruppe. Nahezu alle Fälle
stammen
aus Dosisfindungsstudien, in denen eine unzureichende Dosis (weniger
als 2mg/kg) verabreicht wurde.
Gelegentliche
unerwünschte Wirkungen (≥ 0,1% und < 1%):
- Allergische Reaktionen
Bei Behandlung von Patienten mit Sugammadex wurden wenige
Fälle
von Wachheit berichtet. Der Zusammenhang mit Sugammadex ist unklar.
Sehr
seltene unerwünschte Wirkungen (< 0,01%):
- In einer klinischen Studie an Patienten mit pulmonalen Komplikationen
in der Vorgeschichte wurde bei zwei Patienten über
Bronchospasmen
als mögliche Nebenwirkung berichtet. Ein ursächlicher
Zusammenhang konnte nicht vollständig ausgeschlossen werden.
Wie
bei allen Patienten mit pulmonalen Komplikationen in der Vorgeschichte
sollte sich der Arzt über das mögliche Auftreten von
Bronchospasmen bewusst sein.