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Tacrin

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Tacrin

Formel Tacrin


Wirkstoffklasse

  • Antidementivum
  • indirektes Parasympathomimetikum
  • Acetylcholinesterase-Hemmer

Fertigpräparate

  • Cognex® 
  • Romotal® 
(alle außer Handel)

Vorbemerkung

Das Tetrahydroacridinamin Tacrin wurde wegen erheblicher Nebenwirkunegn (Hepatoxizität) vom Markt zurückgenommen.

Wirkung

Tacrin ist ein reversibler Hemmstoff der Acetylcholinesterase und wurde in den USA 1993 und in Deutschland 1995 als erste Substanz dieser Gruppe zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit zugelassen. Es wirkt indirekt parasympathomimetisch.

Wirkungsmechanismus

Bei den indirekten Parasympathomimetika (Cholinesterase-Blockern) unterscheidet man neben den zentral wirksamen Substanzen (wie Tacrin, Rivastigmin, Donepezil, Galantamin) Carbamidsäure-Derivate (Physostigmin-Gruppe) und Phosphorsäureester (Alkylphosphate). Sie reagieren reversibel mit dem esteratischen Zentrum des Enzyms Acetylcholinesterase unter Bildung von Carbamidsäure- bzw. Phosphorsäureestern des Enzyms. Dadurch wird der enzymatische Abbau des Acetylcholins in cholinerge Synapsen verhindert. Als Folge beobachtet man eine Verlängerung und Verstärkung muskarinischer und nicotinischer Effekte des Acetylcholins. Es kommt zu einer Erhöhung des Parasympathikustonus und des Tonus der quergestreiften Muskulatur.
Während die Hydrolyse und damit die Regenierung des Enzyms bei den Carbamidsäure-Derivaten relativ rasch erfolgt, wird das phosphorylierte Enzym nur sehr langsam gespalten. Man bezeichnet daher - im strengen Sinne zwar nicht ganz korrekt, aber für die Praxis brauchbar - die Carbamidsäure-Derivate als reversible, die Phosphorsäureester als irreversible Cholinesterase-Blocker.
Der therapeutische Nutzen solcher Cholinesterase-Hemmer liegt in der Behandlung des Morbus Alzheimer, des Glaukoms und anderer ophthalmologischer Erkrankungen, in der Verbesserung der gastrointestinalen sowie der Blasenmotilität (z.B. bei paralytischem Ileus und Harnblasenatonie) und in der Beeinflussung der Aktivität der neuromuskulären Endplatte der Skelettmuskulatur wie es z.B. bei der Myasthenia gravis erwünscht ist.
Außerdem werden sie als Antidot eingesetzt bei Vergiftungen mit Atropin oder Phenothiazinen bzw. tricyclischen Antidepressiva und um die Wirkung von so genannten "nicht-depolarisierenden" Muskelrelaxantien (z.B. Curare und Alloferin) aufzuheben. Zu depolarisierenden Muskelrelaxantien (z.B. Succinylcholin) verhalten sie sich jedoch synergistisch.
An allen postganglionär parasympathisch innervierten Drüsen wird nach Gabe von Cholinesterasehemmstoffen die Sekretion gesteigert. Dies betrifft Bronchial-, Speichel-, Tränen- und Schweißdrüsen.

Tacrin ist ein durch seine Liquorgängigkeit zentral wirksamer Hemmstoff der Cholinesterase. Im Gegensatz zum neueren Acetylcholinesterase-Inhibitor Donepezil zeichnet sich Tacrin durch das Risiko der Hepatotoxizität aus. Auch mit Tacrin kann die Demenz vom Alzheimer-Typ nicht geheilt werden.Tacrin ist ein Arzneistoff, der die kognitiven Leistungsfähigkeiten der Patienten wie Lern- und Gedächtnisfunktion sowie das logische Denkvermögen und damit die Lebensqualität der Alzheimer-Patienten und des spezifischen Umfeldes verändern kann. Studien zur Hochdosistherapie mit 160 mgTacrin/d wiesen eine Besserung der Alzheimer-Symptomatik mit drei verschiedenen Tests (Alzheimers Disease Assessment Scale-Cognitive Subscale [ADAS-Cog], Gesprächsverhalten [Clinican Interview-Based Impression, CIBI] sowie Final Comprehensive Assessment [FCCA]) nach.
Unsachgemäße Anwendung kann zu schweren hepatotoxischen Wirkungen führen, wobei bei der Anwendung der erwähnten Hochdosis-Therapie (160 mg/d) keine schwerwiegenden neuen Nebenwirkungen im Vergleich zu niedrigeren Dosen hinzukommen.
Aufgrund der klinischen Daten konnte eine Wirksamkeitsdauer von bis zu 30 Wochen nachgewiesen werden.

Das Tacrin-Molekül besitzt eine gewisse Ähnlichkeit zum 9-Aminoacridin, einem Natriumkanal-Blocker; gleichzeitig ist die Struktur des 4-Aminopyridins enthalten, bei dem es sich um einen Kaliumkanal-Blocker handelt. Allerdings sind für die Blockade von Kaliumkanälen etwa 5fache Tacrin-Konzentrationen im Vergleich zu den für die Hemmung der Acetylcholinesterase notwendigen erforderlich. Daher ist ein direkter Einfluss dieser Eigenschaft auf die therapeutische Wirkung unwahrscheinlich. Möglicherweise besitzt Tacrin außerdem direkte muskarinerge und nicotinerge Wirkungen.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Im Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Absolute Gegenanzeigen
- Bestehende Lebererkrankungen und deren Folgeerscheinungen
- Entwicklung eines Ikterus bei vorheriger Behandlung mit Tacrin (Gesamtbilirubin > 3 mg/dl oder 51 nmol/ml)
- Transaminasenanstieg über das Dreifache der Normwerte nach vorherigem Therapieabbruch, der ebenso wegen Transaminasenanstiegs stattgefunden hatte
- bestehende, unbehandelte Magen- oder Duodenalulzera
- bekannte Überempfindlichkeit gegen Tacrin, Acridinderivate oder Cholinomimetika
- Alzheimer-Erkrankung im schweren Stadium oder andere Demenz-Formen (Wirksamkeit von Tacrin nicht belegt)
- benigne Gedächtnisstörungen
- AIDS-bedingte neurologisch und psychiatrisch zu behandelnde Störungen
- Schwangerschaft
- Kinder
- Frauen im gebärfähigem Alter

Relative Gegenanzeigen
- Patienten, die sich einem chirurgischen Eingriff unter Narkose unterziehen müssen (Interaktionen mit Anaesthetika und Muskelrelaxantien vom Curare-Typ sowie anticholinerger Prämedikation möglich)
- Patienten mit anamnestisch bekannter Epilepsie, Asthma, Magen- oder Duodenalulzera bzw. viral oder durch Arzneistoffe induzierte Hepatitis
- Patienten mit Störungen von Darmperistaltik und Sphinkterfunktion
- Patienten mit dem Risiko der Verstärkung kardialer Arrhythmien durch vagotone Effekte (z.B. bei sick-sinus-Syndrom)
- Patienten, die Arzneistoffe mit bekannten Interaktionen mit Tacrin einnehmen

Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen)

Es handelt sich hier um eine vollständige Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen bzw. Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 10%)
- Transaminasenanstieg (SGOT und/oder SGPT; 40-50%)
- Schwindel; Bauchschmerzen; Übelkeit mit/ohne Erbrechen (28%)
- Diarrhoe (16%)

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (1-10%)
- Anstieg von AP- und/oder Bilirubin-Werten
- Dyspepsie, Anorexie, Myalgien (9%)
- Schwäche; Ataxie (6%)
- Schlafstörungen wie Schlaflosigkeit oder Somnolenz (5%)
- Hautreaktionen wie Ausschlag, Pruritus, Urtikaria, vesikobulläres Erythem
- Gewichtsabnahme
- Bradykardie
- Agitation (4%)
- Verwirrtheit (5%)
- Rhinitis (8%)
- Konjunktivitis (1%)
- Harndrang und Harninfektionen (3%)
- Tremor (2%)

Seltene unerwünschte Wirkungen (< 1%)
Klinisch manifester Ikterus (Behandlungsabbruch).

Unerwünschte Wirkungen, Einzelfälle
Tonische oder tonisch-klonische Krämpfe.