Der langwirksame Muskarin-Rezeptor-Antagonist
Tiotropium besitzt eine funktionelle Rezeptorselektivität zum
M3-Rezeptor und wirkt in den Luftwegen bronchospasmolytisch. Die
Wirkung ist dosisabhängig und hält länger als 24 Stunden
an. Als N-quartäres Anticholinergikum ist Tiotropium nach
inhalativer Applikation topisch (broncho-)selektiv und zeigt eine
akzeptable therapeutische Breite.
Wirkungsmechanismus
Der wichtigste therapeutische Angriffspunkt
bei chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) ist der
erhöhte Tonus der glatten Bronchialmuskulatur. Die Weite der
Atemwege wird sympathisch und parasympathisch reguliert. In den
Atemwegen bindet das Acetylcholin im Wesentlichen an drei Typen von
Rezeptoren mit unterschiedlicher Funktion:
- M1-Rezeptoren sitzen am parasympathischen Ganglion, erleichtern die
Erregungsleitung des Nervus vagus und können die cholinergen
Reflexe steigern.
- M2-Rezeptoren befinden sich direkt am Ende der Nerven vor dem
Zielorgan glatte Bronchialmuskulatur und sind so genannte
"Autorrezeptoren". Sie regeln die Ausschüttung des
Überträgerstoffes Acteylcholin im Feedback-Mechanismus.
- Die M3-Rezeptoren sitzen direkt an der glatten Bronchialmuskulatur
und vermitteln die Bronchokonstriktion. Bei obstruktiven
Atemwegserkrankungen werden von so genannten "irritant receptors" des
parasympathischen Nervensystems vermehrt Reizsignale aus den Atemwegen
gesendet.
In den Atemwegen ist vor allem Blockade der M3-Rezeptoren auf den
glatten Muskelzellen erforderlich. Durch die Bindung an die
M3-Rezeptoren der glatten Bronchialmuskulatur hemmen
M3-Rezeptorantagonisten die cholinergen (bronchokonstriktiven) Effekte
von Acetylcholin, das aus den parasympathischen Nervenendigungen
freigesetzt wird.
Zusätzlich ist eine Blockade ganglionärer M1-Rezeptoren, die
die cholinerge Signalweiterleitung fördern, wünschenswert.
Hingegen ist eine Blockade präsynaptischer M2-Rezeptoren
unerwünscht, da diese Rezeptoren die Acetylcholinausschüttung
hemmen.
Tiotropiumbromid
ist ein langwirksamer Muskarinrezeptor-Antagonist, der im medizinischen
Sprachgebrauch häufig als Anticholinergikum bezeichnet wird. Er
weist eine ähnliche Affinität zu den
Muskarinrezeptor-Subtypen M1 bis M5 auf. In den Luftwegen wirkt
Tiotropiumbromid kompetitiv und reversibel antagonistisch an den
M3-Rezeptoren, was zu einer Relaxation führt. Die Wirkung ist
dosisabhängig und hält länger als 24 Stunden an. Die
lange Wirkungsdauer ist wahrscheinlich auf die sehr langsame
Dissoziation von den M3-Rezeptoren zurückzuführen. Sie zeigen
eine signifikant längere Dissoziationshalbwertszeit als bei
Ipratropium. Als N-quartäres Anticholinergikum ist
Tiotropiumbromid nach inhalativer Applikation topisch
(broncho-)selektiv und zeigt eine akzeptable therapeutische Breite, ehe
es zu systemischen anticholinergen Wirkungen kommt. Bei der
Bronchodilatation handelt es sich primär um eine lokale Wirkung
(in den Atemwegen) und nicht um eine systemische Wirkung. Die
Dissoziation vom M2-Rezeptor ist schneller als die vom M3-Rezeptor, was
sich in in vitro-Studien funktionell als kinetisch kontrollierte
Rezeptorselektivität von M3 gegenüber M2 zeigte. Daraus
ergibt sich eine funktionelle Rezeptorselektivität zum
M3-Rezeptor. Die hohe Wirkstärke und langsame Rezeptordissoziation
korreliert klinisch mit signifikanter und langwirkender
Bronchodilatation bei Patienten mit COPD.
Tiotropiumbromid verbesserte signifikant den morgendlichen und
abendlichen PEFR (Peak Flow Wert) gemäß den täglichen
Aufzeichnungen der Patienten. Die bronchodilatorische Wirkung von
Tiotropiumbromid blieb ohne Anzeichen einer Toleranzentwicklung
über die einjährige Anwendungsdauer bestehen.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute Gegenanzeigen - Überempfindlichkeit gegenüber
Tiotropiumbromid, Atropin oder einem seiner Derivate, wie z. B.
Ipratropiumbromid oder Oxitropiumbromid
Es
handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- Mit fortgeschrittenem Alter ist eine Zunahme der anticholinergen Effekte möglich.
- Bei mit Tiotropium behandelten Patienten wurde keines der folgenden
Ereignisse Tiotropium zugeordnet; jedoch werden diese Ereignisse als
unerwünschte Arzneimittelwirkungen von Tiotropium angesehen:
-- Dehydrierung
-- Karies
-- Angioneurotisches Ödem, Hautinfektion, Hautulcus, trockene Haut
-- Gelenkschwellung