Trandolapril hemmt das
Angiotensin-Konversions-Enzym (angiotensin converting enzyme, ACE).
Dadurch wird die Bildung des stark hypertensiv wirkenden Angiotensin II
aus Angiotensin I unterdrückt, das
Renin-Angiotensin-Aldosteron-System blockiert und als Folge davon der
periphere Gefäßwiderstand und die kardiale Nachlast gesenkt.
Wirkungsmechanismus
Allgemeine Informationen zum
Wirkmechanismus der ACE-Hemmer finden sich hier.
Trandolapril
ist ein Angiotensin-1-Converting-Enzyme-(ACE, Bradykininase, Kininase
2-)Inhibitor mit prinzipiell ähnlichen Strukturmerkmalen wie
andere neuere ACE-Hemmer. Trandolapril ist ein Prodrug und
muß in vivo durch Hydrolyse erst in die biologisch aktive
Dicarbonsäure Trandolaprilat überführt werden. Verbunden
damit sind ein gegenüber Captopril verzögerter
Wirkungseintritt und eine längere Wirkungsdauer. Gegenüber
Captopril fehlt die Sulfhydrylgruppe.
Wirkungen und Wirkungsmechanismus von Trandolapril entsprechen den der
bekannten Konversionsenzymhemmer. Unterschiede ergeben sich allenfalls
in den pharmakokinetischen Eigenschaften und in der inhibitorischen
Potenz der verschiedenen ACE-Hemmer. Trandolapril bzw. sein aktiver
Metabolit Trandolaprilat hemmen nach klinisch-pharmakologischen
Untersuchungen das Angiotensin-1-Konversionsenzym dosisabhängig
nahezu quantitativ (85-100%) ab einer Dosierung von 2 mg. Eine
einmalige Gabe von 2 mg Trandolapril führt auch noch acht Tage
danach zu einer 60%igen Hemmung des Konversionsenzyms. Im menschlichen
Plasma wird das Enzym nach In vitro-Studien bei einer
Trandolaprilat-Konzentration von 0,9 nmol/l zu 50% gehemmt. Es ist nach
diesen Untersuchungen wirksamer als Enalaprilat.
Die durch Trandolapril induzierte Herabsetzung des peripheren
Widerstandes geht weder mit Flüssigkeits-/Natriumretention noch
mit einer Tachykardie einher.
In einer Placebo-kontrollierten Studie an Patienten mit
linksventrikulärer Dysfunktion (LVEF ≤ 35%) nach akutem
Myokardinfarkt zeigte sich unter Trandolapril eine Verlängerung
der Lebenszeit, eine Verringerung der kardiovaskulären
Morbidität, einer Reduktion des plötzlichen Herztodes sowie
einer Verzögerung der Entwicklung einer schweren Herzinsuffizienz.
Eine weitere Studie zeigt eine signifikante Verbesserung der
elektrophysiologischen Vorgänge bei der peripheren Neuropathie
normotensiver Patienten unter Gabe von Trandolapril vs. Placebo.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Trandolapril
- anamnestisch bekanntes angioneurotisches Ödem (Schwellung von
Gesicht, Lippen, Zunge, Kehlkopf, Schleimhaut, Augen und
Extremitäten) beispielsweise infolge einer früheren
Behandlung mit einem Konversionsenzymhemmer
- doppelseitige Nierenarterienstenose bzw. einseitig bei Einzelniere
- Zustand nach Nierentransplantation
- hämodynamisch relevante Aorten- und Mitralklappenstenose, hypertrophe Kardiomyopathie
- primärer Hyperaldosteronismus
- Schwangerschaft
- Stillzeit
- schwere Leberfunktionsstörungen, Leberzirrhose mit Aszites
- schwere Nierenfunktionsstörungen (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)
- Dialyse
- unbehandelte dekompensierte Herzinsuffizienz anderer Genese als nach Myokardinfarkt
- gleichzeitige Anwendung von Trandolapril und Poly(acrylnitril, natrium-2-methallylsulfonat)high flux-Memranen
- LDL-Apherese mit Dextransulfat
- Desensibilisierung mit Insektengiften
- Schock, systolischer Blutdruck unter 100 mm Hg
- instabile Angina pectoris
Relative Gegenanzeigen
Sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung bei:
- Vorliegen einer gestörten Immunreaktion oder Kollagenkrankheit (z.B. Lupus erythematodes, Sklerodermie)
- klinisch relevanten Elektrolytstörungen
- klinisch relebanter Proteinurie (> 1 g/d)
- gleichzeitiger systemischer Therapie mit Arzneimitteln, die die
Abwehrreaktion unterdrücken (z.B. Corticoide, Zytostatika,
Antimetabolite), sowie Allopurinol, Procainamid oder Lithium
Unter Kontrolle relevanter Laborparameter vorsichtig anzuwenden bei:
- Salz- und/oder Flüssigkeitsmangel
- eingeschränkter Nierenfunktion
- schwerer Hypertonie
- Herzinsuffizienz
Nebenwirkungen
(unerwünschte
Wirkungen)
Es handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (1-10%)
- insbesondere bei Behandlungsbeginn, Salz- und/oder
Flüssigkeitsmangel, Herzinsuffizienz, schwerer Hypertonie,
Dosiserhöhung: übermäßige Blutdrucksenkung mit
Symptomen wie Schwindel, Schwächegefühl, Sehstörungen;
- trockener Reizhusten;
- Kopfschmerzen;
- Müdigkeit;
- Bronchitis;
- Auftreten oder Verstärkung von Nierenfunktionsstörungen;
- Übelkeit, Oberbauchbeschwerden, Verdauungsstörungen;
- allergische Hautreaktionen wie Exanthem, Pruritus;
- Abfallen von Hämoglobinwert-, Hämatokrit-, Leukozyten-, Thrombozytenzahl.
Seltene unerwünschte Wirkungen (< 1%)
- Insbesondere bei Behandlungsbeginn, Salz- und/oder
Flüssigkeitsmangel, Herzinsuffizienz, schwerer Hypertonie,
Dosiserhöhung:
- Hypotonie mit Synkope
- gastrointestinale Störungen wie Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Appetitlosigkeit;
- Urtikaria
- Proteinurie, teilweise mit Verschlechterung der Nierenfunktion
- Benommenheit
- Depressionen
- Schlafstörungen
- Impotenz
- Kribbeln
- Nervosität
- Schwitzen
- Hitzewallungen
- Parästhesien
- Myalgien
- Gleichgewichtsstörungen
- Verwirrtheit
- Ohrensausen
- verschwommenes Sehen
- Geschmacksveränderungen oder vorübergehender Geschmacksverlust
- Halsbeschwerden, Atemnot, Sinusitis, Rhinitis
- angioneurotische Ödeme mit Beteiligung von Lippen, Gesicht und/oder Extremitäten
- Anämie, Thrombozytopenie, Neutropenie, Eosinophilie,
insbesondere bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion,
Kollagenkrankheiten oder gleichzeitiger Therapie mit Allopurinol,
Procainamid, Immunsuppressiva
- Anstieg von Harnstoff, Harnsäure, Kreatinin und Kalium, insbesondere bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen.
- Abfallen der Natriumkonzentration im Serum, v.a. bei bestehenden Nierenfunktionsstörungen.
- Bei Anwendung von Trandolapril in den ersten Tagen nach einem
Infarkt: AV-Blockierungen II. und III. Grades, ausgeprägte
Hypotonie und Schock.
Unerwünschte Wirkungen, Einzelfälle
- in Zusammenhang mit verstärktem Blutdruckabfall: Tachykardie,
Palpitation, Herzrhythmusstörungen, Angina pectoris,
Myokardinfarkt, transitorische ischämische Attacken (TIA),
zerebraler Insult;
- akutes Nierenversagen - Bronchospasmus, Glossitis, Mundtrockenheit
- schwerwiegende Hautveränderungen wie Erythema multiforme
- Leberfunktionsstörungen, Hepatitis, Pankreatitis, Ileus
- Syndrom, beginnend mit cholestatischem Ikterus, fortschreitend bis
zur hepatischen Nekrose, manchmal mit letalem Ausgang, unklarer
Kausalzusammenhang.
- psoriasiforme Hautveränderungen
- Photosensibilität
- Alopezie
- Onycholyse
- Verstärkung einer Raynaud-Symptomatik
- Agranulozytose, Panzytopenie, insbesondere bei Patienten mit
eingeschränkter Nierenfunktion, Kollagenkrankheiten oder
gleichzeitiger Therapie mit Allopurinol, Procainamid, Immunsuppressiva.
- Erhöhung der Bilirubin- und Leberenzymkonzentration
- Hämolyse, hämolytische Anämie, auch im Zusammenhang
mit einem Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (kausaler
Zusammenhang nicht gesichert)
- abakterielle interstitielle Nephritis
- angioneurotische Ödeme mit Beteiligung von Kehlkopf, Rachen und/oder Zunge
- Entzündungen der Lungenbläschen (allergische Alveolitis, eosinophile Pneumonie)
- Leberfunktionsstörung
- Vergrößerung der männlichen Brustdrüse (Gynaekomastie)
Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
- Hautveränderungen mit Fieber, Myalgien, Arthralgien, Arthritis,
Vaskulitiden, Eosinophilie, erhöhten ANA-Titern und/oder
Leukozytose
- Hyperkaliämie (bei Diabetes mellitus)