Trimipramin ist ein tricyclische
Antidepressivum vom Amitriptylin-Typ mit vorwiegend
depressionslösenden und anxiolytisch-sedierenden
Eigenschaften. Es
wird bei depressiven Zuständen und chronischen
Schmerzzuständen eingesetzt.
Wirkungsmechanismus
Allgemeine Informationen zum
Wirkmechanismus der tricyklischen Antidepressiva (TCA) finden sich hier.
Trimipramin,
ein Dibenzoazepin-Derivat, ist ein TCA vom Amitriptylin-Typ
(Kielholz-Pöldinger-Schema: vorwiegend
depressionslösend und
anxiolytisch-sedierend). Trimipramin weist bei etwas
schwächerer
Wirkung ein vergleichbares Wirkspektrum wie Amitriptylin auf.
Während der sedative und anxiolytische Effekt gleich nach
Beginn
der Therapie eintreten, setzt die Stimmungsaufhellung erst nach 2-3
Wochen ein. Trimipramin hemmt die Wiederaufnahme von Noradrenalin,
Serotonin und Dopamin aus dem synaptischen Spalt in die
präsynaptischen Speicher in etwa der gleichen
Größenordnung für alle drei biogenen Amine.
In dieser
Hinsicht unterscheidet sich Trimipramin stark von den meisten anderen
TCA: Die Dopamin-Aufnahmehemmung entspricht den anderen Antidepressiva,
jedoch liegt die Reuptake-Hemmung für Noradrenalin und
Serotonin
um 2-3 Zehnerpotenzen niedriger als bei den klassischen TCA.
Selbst nach mehrwöchiger Behandlung kommt es zu keiner
Verminderung postsynaptischer beta-1-Adrenozeptoren.
Trimipramin führt zur Blockade einer Reihe von Rezeptoren
(Wirkprofil ähnlich dem des atypischen Neuroleptikums
Clozapin):
- alpha-Adrenozeptoren (alpha1 > alpha2)
- Serotonin-Rezeptoren (5-HT2 > 5-HT1C > 5-HT1A, 5-HT1D,
5-HT3)
- Dopamin-Rezeptoren (D2 > D1)
- Histamin-H1-Rezeptoren
- muskarinische Acetylcholin-Rezeptoren (M1-M5)
Hierbei wird der anxiolytische und stimmungsaufhellende Effekt auf die
Blockade der 5-HT2-, die zentral dämpfende und sedierende
Wirkung
auf die Antagonisierung der H1- und eine weitere dämfende
Komponente mit Blutdrucksenkung auf die Blockade der alpha-1-Rezptoren
zurückgeführt. Trimipramin besitzt keinen Einfluss
auf den
REM-Schlaf. Die hohe Affinität zum D2-Rezeptor weist auf eine
anteilige neuroleptische Wirkung hin.
Tierversuche legen nahe, dass adaptive Veränderungen auf der
Ebene
von Rezeptoren und rezeptorgekoppelten Transduktionsmechanismen
für die antidepressive Wirkung mitverantwortlich sind.
Möglicherweise spielt auch die Beeinflussung der
hypothalamisch
gesteuerten Corticotropin-Releasing-Hormon-Sekretion eine Rolle, da sie
eine Reduktion der bei Depressiven erhöhten
nächtlichen
Cortisolausschüttung verursacht.
Trimipramin besitzt einen deutlichen zentralen und peripheren
anticholinergen Effekt. Am Herzen hemmt es die Erregungsausbreitung und
vermindert die Kontraktionskraft.
Die analgetische Wirkung von Trimipramin konnte in klinischen Studien
belegt werden. Vermutlich weist Trimipramin wie Imipramin eine
antinozizeptive Wirkkomponente auf.
Gegenanzeigen
(Kontraindikationen)
Im
Folgenden sind absolute Gegenanzeiegn (Situationen in denen der
Arzneistoff auf keinen Fall verabreicht werden sollte) und relative
Gegenanzeigen (Situationen in denen der Arzneistoff nur mit Vorsicht
verabreicht werden sollte) aufgelistet. Für
genauere Informationen bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Absolute Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Trimipramin (bzw. TCA);
- akute Intoxikation mit Alkohol oder zentral dämpfenden
Pharmaka (Schlafmittel, Schmerzmittel, Psychopharmaka);
- akute Delirien;
- unbehandeltes Engwinkelglaukom;
- Harnentleerungsstörungen, wie akuter Harnverhalt oder
Prostatahypertrophie mit Restharnbildung;
- Pylorusstenose;
- paralytischer Ileus;
- Kinder unter 14 Jahren;
- Schwangerschaft;
- Stillzeit.
Relative Gegenanzeigen
- Prostatahypertrophie ohne Restharnbildung;
- schwere Leber- und Nierenschäden;
- erhöhte Krampfbereitschaft (z.B. bei Epilepsie,
Hirnschäden, Alkoholismus);
- bestehende Leistungsverminderung des hämatopoetischen
Systems bzw. Blutbildungsstörungen in der Anamnese;
- Vorschädigung des Herzens, insbesondere bei
Herzrhythmusstörungen oder in der Remissionsphase nach einem
Myokardinfarkt;
- Hypokaliämie;
- Bradykardie;
- angeborenes langes QT-Syndrom oder andere klinisch signifikante
kardiale Störungen (insbesondere koronare Herzkrankheit,
Erregungsleitungsstörungen, Arrhythmien);
- ältere Patienten mit erhöhter Empfindlichkeit
gegenüber orthostatischer Hypotonie und gegen Sedativa bzw.
mit
chronischer Verstopfung (Gefahr eines paralytischen Ileus);
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.
Nebenwirkungen (unerwünschte
Wirkungen)
Es
handelt sich hier um eine
vollständige
Liste der bekannten Nebenwirkungen, für genauere Informationen
bzw.
Antworten auf Ihre Fragen nutzen Sie bitte das Forum
oder fragen Ihren Arzt oder Apotheker.
Seltene
unerwünschte Wirkungen (< 1%)
- Verwirrtheitszustände und andere delirante Syndrome;
- Kollapszustände;
- Paralytischer Ileus;
- Harnverhalten;
- Blutbildveränderungen, wie Leukozytopenie, Thrombozytopenie,
Eosinophilie;
- Galactorrhoe;
- Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion;
- Leberfunktionsstörungen;
- Ikterus;
- Haarausfall;
- Tinnitus;
- Hypoglykämie;
- Parästhesien;
Besonders bei bestehenden Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, bei
älteren Patienten, sowie bei hoher Dosierung:
- Herzrhythmus- und Reizleitungsstörungen (QRS-Verbreiterung,
PR-Verlängerung, ST-Abflachung, Schenkelblock);
- Verstärkung einer bestehenden Herzinsuffizienz.
Unerwünschte
Wirkungen, Einzelfälle
- allergische Alveolitis mit oder ohne Eosinophilie;
- allergische Reaktonen der Haut;
- Agranulozytose;
- Zerebrale Krampfanfälle;
- Motorische Störungen (Akathisie, Dyskinesien);
- Polyneuropathien;
- Erhöhung des Prolaktinspiegels sowie Entwicklung einer
Gynäkomastie bzw. einer Galactorrhoe;
- Glaukomanfälle;
- Vereinzelt wurden als Ausdruck einer Überempfindlichkeit
Reaktionen seitens der Leber- und Gallenwege beobachtet, die sich meist
als vorübergehende Erhöhung von Leberenzymen und des
Bilirubins im Serum im Sinne einer cholestatischen Hepatitis zeigten;
ferner wurden allergische pulmonale Symptome in Form einer
interstitiellen Pneumonie (z.B. als eosinophiles Lungeninfiltrat) oder
Pleuritis beschrieben.
Unerwünschte
Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit
Fälle von suizidalen Gedanken oder suizidalem Verhalten
während der Therapie mit Trimipramin oder kurze Zeit nach
Beendigung der Behandlung sind berichtet worden.