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Alpha-1-Blocker



 

Wirkungsmechanismus der Alpha-1-Rezeptorenblocker

Zu den selektiven alpha1-Adrenozeptor-Antagonisten gehören neben den Chinazolin-Derivaten, wie Prazosin, Terazosin, Doxazosin auch Tamsulosin und Urapidil. Die selektiven alpha1-Adrenozeptor-Antagonisten sind selektive kompetitive Antagonisten an alpha1-Adrenozeptoren. Alpha1-Adrenozeptoren finden sich im menschlichen Körper in der glatten Muskulatur (z.B. in den Blutgefäßen und im Urogenitaltrakt), im Zentralnervensystem und in der Leber, während in Herz und Niere des Menschen nur wenige alpha1-Adrenozeptoren exprimiert werden.

Das Wirkprofil der alpha1-Adrenozeptor-Antagonisten ergibt sich deshalb aus der Verteilung von Alpha-1-Adrenozeptoren in Organismus. Es hemmt die durch Noradrenalin bewirkte Kontraktion der glatten Muskulatur und führt zu einer Relaxation der Venen und Arterien sowie des unteren Urogenitaltraktes. Hierdurch kommt es zu einer Verminderung von erhöhtem Blutdruck und dem Blasenauslasswiderstand, ohne dass es gewöhnlich zu einem reflektorischen Anstieg der Herzfrequenz kommt. In Radioliganden-Bindungsstudien wurde nachgewiesen, dass ca. 70% der alpha1-Adrenozeptoren in der Prostata des Menschens zum Subtyp alpha1A gehören.

Patienten mit Bluthochdruck weisen neben anderen Symptomen einen erhöhten Tonus der Gefäßmuskulatur (Sympathikustonus) und einen erhöhten peripheren Gefäßwiderstand auf. Der Tonus der Gefäßmuskulatur wird durch adrenerge Alpha-Rezeptoren reguliert. Periphere postsynaptische Alpha1- (quantitativ überwiegend) und Alpha2-Rezeptoren sind funktionell an der Konstriktion der Arteriolen beteiligt, die durch endogenes Adrenalin und Noradrenalin ausgelöst wird. Durch selektive Alpha1-Blockade wird eine Erweiterung der Arteriolen hervorgerufen, die in der Folge zu einer Abnahme des peripheren Widerstandes und zu einer Blutdrucksenkung führt.

Die selektive Blockade postsynaptischer alpha1-Adrenozeptoren bedeutet weiterhin, dass einerseits alpha1-vermittelte Effekte antagonisiert werden, andererseits über präsynaptische alpha2-Rezeptoren vermittelte Wirkungen weitgehend unbeeinflusst bleiben. Daher besteht kein nennenswerter Einfluss auf die negative Rückkopplung, wodurch unerwünschte Wirkungen wie Tachykardie, Diarrhoe, erhöhte Renin-Freisetzung und vor allem eine rasche Toleranzentwicklung verringert werden.

Studien zeigen, dass eine Alpha1-Rezeptorenblockade neben der antihypertensiven Wirkung ebenfalls zu einer Verbesserung des Harnflusses bei Patienten mit chronischen, obstruktiven Blasenentleerungsstörungen, wie bei der benignen Prostatahyperplasie (BPH), führt. Das klinische Bild der benignen Prostatahyperplasie ist durch die intravesikale Obstruktion auf Grund von anatomischen (statischen) und funktionellen (dynamischen) Faktoren gekennzeichnet. Die funktionelle Komponente beruht auf der Muskelspannung der glatten Muskulatur der Prostata, die von Alpha-Adrenorezeptoren vermittelt wird. Die Aktivierung der Alpha1-Adrenorezeptoren stimuliert die Kontraktion der glatten Muskulatur und erhöht dabei den Tonus der Prostata, der prostatischen Kapsel, des Harnleiters und des Blasengrundes und führt somit zu einer Erhöhung des Widerstands beim Harnabfluss. Dies wiederum resultiert in einer Obstruktion des Harnabflusses und führt möglicherweise zu einer sekundären Blaseninstabilität. Die Alpha-Blockade wirkt direkt an der glatten Prostatamuskulatur und führt damit zu einer Verringerung der intravesikalen Obstruktion.
Phenylephrin-induzierte Kontraktionen menschlichen Prostatagewebes wurden in vitro durch die Alpha1-Rezeptor-blockierende Wirkung von Terazosin aufgehoben.

Eine weitere Wirkung von alpha1-Adrenozeptor-Antagonisten des Chinazolin-Typs betrifft den Lipidstoffwechsel. Durch Stimulation der Lipoprotein-Lipase kommt es zu einer Abnahme der Triglyceride und einem Anstieg des HDL-Cholesterols. Des Weiteren wird eine Hemmung von Synthese und Sekretion der VLDL beobachtet, was zu einer Senkung der Triglyceride und gegebenenfalls auch des Gesamtcholesterols führt. Ein Anstieg der LDL-Rezeptoren sowie eine Hemmung der HMG-CoA-Reduktase und damit der Cholesterol-Synthese wird ebenfalls beschrieben. Insgesamt ergibt sich eine Abnahme des LDL-Cholesterols.