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Aminoglykoside



 

Wirkungsmechanismus der Aminoglykoside

Zu den Aminoglykosiden gehören die Antibiotika der
- Streptomycin-Gruppe (Streptomycin und Dihydrostreptomycin)
- Neomycin-Gruppe (Neomycin und Paromomycin) und
- Kanamycin-Gentamicin-Gruppe (Kanamycin, Amikacin, Gentamicin, Tobramycin, Sisomicin und Netilmicin). Es handelt sich um Substanzen mit tri- oder tetrasaccharidartiger Struktur, die als gemeinsamen Bestandteil Streptamin oder Streptamin-Derivate enthalten. Der Wirkungstyp der Aminoglykoside ist bakterizid. Dem breiten Wirkungsspektrum im gram-negativen Bereich stehen ernste Nebenwirkungen, insbesondere eine generelle Ototoxizität gegenüber, die die therapeutische Anwendung limitiert.

Aminoglykoside greifen in die molekularbiologischen Prozesse der DNA ein. Die DNA erfüllt zwei Funktionen, zum einen die Replikation mit dem Ziel der Zellvermehrung (autokatalytische Funktion), zum anderen Transkription auf die mRNA (messenger RNA), die Translation auf die tRNA (transfer RNA) sowie deren Übersetzung in die Aminosäuresequenzen eines Proteins (heterokatalytische Funktion). Beim Vorgang der Transkription wird die Information eines Teilabschnittes der DNA auf einen komplementären Teil eines mRNA-Moleküls überschrieben. Durch die Überschreibung der Information in mRNA-Moleküle wird eine transportable Teilinformation erhalten. Die mRNA enthält die Anweisung für die Herstellung eines bestimmten Proteins. Die Übersetzung dieser Nukleotid-Sequenz in die Aminosäurefrequenz eines Proteins erfolgt an den Ribosomen. Die Spezifität der richtigen Aneinanderreihung der Aminosäuren wird durch tRNA und spezifische Enzyme (Aminoacyl-tRNA-Synthetasen) bewirkt. Die Proteinbiosynthese findet in Polysomen statt, die aus Ribosomen und mRNA geformt werden, wobei sich die Ribosomen der Bakterien aus 30S- und 50S-Untereinheiten zusammen setzen.

Wirkung Antibiotika

Die eigentliche Proteinbiosynthese wird in drei weiteren Abschnitte unterteilt: Initialphase, Elongationsphase (Kettenverlängerung) und Terminationsphase. In der Initialphase wird ein Startkomplex gebildet, der sich aus mRNA, N-Formylmethionyl-tRNA und einer ribosomalen Untereinheit zusammensetzt. Auf jedem Ribosomen existieren zwei unterschiedliche Bindungsorte für tRNA: die Akzeptor- (Aminoacyl-)Stelle sowie die Donor (Peptidyl-)Stelle. Die Formylmethionyl-tRNA wird zunächst an die Akzeptorstelle gebunden und dann auf die Donorstelle übertragen.
In der Elongationsphase wird erfolgt der Aufbau der Peptidketten. Aminoacyl-tRNA lagert sich an die Akzeptorstelle. Die Aminosäure wird unter Vermittlung einer Peptidyltransferase mit der Carboxylgruppe des Formylmethionins verknüpft. Die tRNA wird freigesetzt und die Peptidyl-tRNA wandert von der Akzeptorstelle zur Donorstelle. Weitere Zyklen mit Anlagerung von Aminoacyl-tRNA und Peptidverknüpfung folgen. Die Reaktionsfolge wiederholt sich solange bis das Endcodon der mRNA an der Akzeptorstelle erscheint.

Als Wirkungsmechanismus wurde gefunden, dass Aminoglykosid-Antibiotika die Proteinsynthese in der Translationsphase hemmen, indem sie die Übertragung der Aminoacyl-tRNA von der Akzeptorstelle auf die Donorstelle inhibieren. Sie werden dabei reversibel an die beiden Untereinheiten des 70S-Ribosoms gebunden. In höheren Konzentrationen kommt es außerdem zu Fehlablesungen des genetischen Codes von der mRNA (misreading), was zur Synthese von Proteinen mit falscher Aminosäuresequenz führt (nonsens-Proteine).

Der beschriebene Wirk
ungsmechanismus gilt für alle Aminoglykoside mit Ausnahme von Streptomycin. Der Wirkungsmechanismus von Streptomycin als dem ältesten Vertreter der Aminoglykoside ist besonders intensiv untersucht worden. Diese Substanz bindet nur an die 30S-Untereinheit und verursacht dort eine Konformationsänderung. Dadurch wird die Bindung von N-Formylmethionyl-tRNA an die 30S-Unterienheit gehemmt und die Bildung des Startkomplexes verhindert. Bestehende Komplexe werden instabil und zerfallen.