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Azol-Antimykotika



 

Wirkungsmechanismus der Azol-Antimykotika

Azol-Antimykotika sind Substanzen, die fungistatisch und in höheren Konzentrationen fungizid wirken. Der antimykotische Effekt dieser Breitspektrumantimykotika ist auf eine Hemmung der Ergosterol-Biosynthese auf der Stufe der 14-Desmethylierung von Lanosterol (Hemmung der Lanosterol-Desmethylase) zurückzuführen (Cytochrom-P450-abhängig), wodurch es zu einer Kumulation von Ergosterol-Vorstufen (hauptsächlich 24-Methylendihydrolanosterol) kommt. Da Ergosterol ein essentieller Bestandteil der Zellmembran von Pilzen ist (Membran-Fluidität), kommt es unter dem Einfluss der Azol-Antimykotika mit einer Verzögerung ("lag-Phase"), die auf den Verbrauch des zytoplasmatischen Ergosterols der Pilzzelle zurückzuführen ist, zu einer starken Veränderung der Membran-Zusammensetzung und -Eigenschaften. Es kommt zu Abweichungen in der Permeabilität und zur Hemmung der Aufnahme essentieller Substanzen wie Purin- bzw. Pyrimidin-Vorstufen zur DNA-Synthese.
Gleichzeitig findet ein Verlust essentieller Substanzen aus der Pilzzelle (Kalium, Aminosäuren) statt. Die RNS- und Protein-Synthese wird gehemmt und Störungen des Lipid-Stoffwechsels treten auf.

Wirkung Antimykotika


In höheren Konzentrationen kommt es dann zur Zell-Lyse (fungizide Wirkung). Dabei besitzen Azol-Antimykotika mit einem Triazol-Ring eine höhere Affinität zum Cytochrom P450 der Pilzzelle als Imidazol-haltige Derivate.
Hohe Azol-Konzentrationen führen zu einer Hemmung der Hydroxymethylglutaryl-CoA-Reduktase (HMG-CoA-Reduktase), des Schlüsselenzyms, das den geschwindigkeitsbestimmenden Schritt der Sterol-Synthese katalysiert.
Der Azol-bedingte Ergosterol-Mangel verändert den Fettsäure- und Phospholipid-Stoffwechsel der Pilzzelle. Es kommt zunächst zu einer verstärkten Bildung mehrfach ungesättigter Fettsäuren. Diese können jedoch nicht für die Membran-Fluidität oder das Wachstum der Zelle nutzbar gemacht werden, da offenbar die Bildung der Phospholipide beeinträchtigt oder ihr Abbau gesteigert ist. Die angereicherten freien Fettsäuren schädigen die Zelle.

Wirkung Azole

Später werden zudem vermehrt gesättigte Fettsäuren kürzerer Kettenlänge gebildet, was auf eine Hemmung der Fettsäure-Desaturase hinweist. Die damit vermehrte Einlagerung von Palmitinsäureestern in die Zellmembran verstärkt den Effekt des Ergosterol-Mangels auf die Membranpermeabilität und die Aktivität Membran-ständiger Enzyme.
Ferner interferieren die Azol-Antimykotika in höheren Konzentrationen mit mitochondrialen und peroxisomalen Enzymen. Als Folge kommt es zu einer toxischen Erhöhung der Hydrogenperoxid-Konzentration durch vermehrte Oxidation der mehrfach ungesättigten Fettsäuren bei gleichzeitiger Hemmung der mitochondrialen Cytochrom C-Peroxidase und der Katalase, was wahrscheinlich zum Zelltod beiträgt ("Hydrogenperoxid-Autodigestion"). Bei Dermatophyten hemmen die Azole zudem in subinhibitorischer Konzentration die Sekretion der Keratinasen und damit die Vermehrung dieser Keime.
Die humane Cytochrom-P450-abhängige Steroid-Synthese wird durch Azol-Antimykotika erst in wesentlich höheren Konzentrationen verglichen mit den für die funistatische Wirkung benötigten beeinflusst.

Nach in vitro-Studien an menschlichen Fibroblasten hemmen die Azol-Antimykotika in sehr hohen Konzentrationen die Synthese von Cholesterol (essentieller Membranbestandteil bei Säugern). Aus der unterschiedlichen Beeinflussung der Ergosterol- und Cholesterol-Biosynthese durch verschiedene Azol-Antimykotika wird daher eine unterschiedliche Toxizität und damit eine unterschiedliche therapeutische Breite abgeleitet. Da andererseits angenommen wird, dass die Azol-bedingte Hemmung der Cholesterol-Biosynthese in vivo durch verstärkte Nutzung von Cholesterol aus der Nahrung kompensiert wird, ist die klinische Bedeutung dieses experimentellen Befundes zumindestens unklar.

Resistenz-Entwicklung:
Eine Azol-Resistenz scheint sich langsam zu entwickeln und ist häufig auf mehrere genetische Mutationen zurück zu führen. Es wurden verschiedene Resistenz-Mechanismen beschrieben, darunter eine verringerte Affinität der 14α-Desmethylase zur Azol-Gruppe.
Ursache dieser verminderten Affinität kann eine Überexpression oder eine Punktmutation in ERG11 sein, dem Gen, das die 10α-Desmethylase codiert. In den meisten Fällen ist die Azol-Resistenz auf die Expression eines Efflux-Pumpensytems in den Pilz-Zellen zurück zu führen. Bei Pilzen scheint es nicht zu einer Übertragung der Resistenz-Gene zwischen nicht verwandten Organismen zu kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in großem Maßstab zu einer Abnahme der Empfindlichkeit kommt, wie man dies von Bakterien kennt, ist gering.
Eine Kreuzresistenz zwischen Azol-Antimykotika ist für Patienten beschrieben, die klinisch resistent gegen Clotrimazol waren.