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Benzodiazepine



 

Wirkungsmechanismus der Benzodiazepine

Benzodiazepine stellen eine wichtige Gruppe innerhalb der sog. Tranquillantien dar. Neben psychosedativen und hypnotisch-narkotischen Effekten wirken sie anxiolytisch sowie (meist in hohen Dosen) zentral muskelrelaxierend und antikonvulsiv. Dabei können die Gewichtungen der einzelnen Wirkqualitäten untereinander bei den einzelnen Vertretern der Benzodiazepine stark differieren.

Hauptangriffsort ist das limbische System (Regulation von Antrieb, Stimmung, Affektivität). Benzodiazepine werden mit unterschiedlicher Affinität stereospezifisch an sättigungsfähige Bindungsproteine (Benzodiazepin-Rezeptoren) im Zentralnervensystem (untergeordnet in einzelnen peripheren Organen) gebunden. Diese Benzodiazepin-Rezeptoren sind an den GABA (Gamma-Aminobuttersäure)-ergen Synapsen lokalisiert. Die Benzodiazepin-Rezeptoren sind nicht Teil eines eigenen neuronalen Systems, sondern mit einem GABA(A)-Rezeptoren-
Chloridkanal-Komplex an der postsynaptischen Membran assoziiert. Die unterschiedlichen Bindungsstellen für GABA und Benzodiazepine sind ionensensitiv und können sich gegenseitig in ihrer Bindungscharakteristik beeinflussen.

Wirkung Benzodiazepine

Durch Bindung an den Benzodiazepinrezeptor kommt es postsynaptisch zu einer Verstärkung der GABAergen inhibitorischen Effekte. Die Benzodiazepine bewirken durch Bindung an den spezifischen Rezeptor eine allosterische Veränderung des GABA-Rezeptors, die wiederum nach Bindung von GABA an diesen Rezeptor zu einer häufigeren Öffnung des Chloridkanals führt. Der erhöhte Chlorideinstrom induziert eine Hyperpolarisation der Nervenzelle und damit eine Inhibition der Depolarisation. Die Wirkung der Benzodiazepine ist an die Anwesenheit von GABA gebunden.

Wirkung Benzodiazepine

Benzodiazepine lösen charakteristische Änderungen des Wach- und Schlaf-Elektroenzephalogrammes aus und induzieren eine Veränderung des zeitlichen Verhältnisses der verschiedenen Schlafphasen und -stadien. Sie verlängern die Gesamtschlafdauer, dabei ist möglicherweise die Dauer der Schlafstadien 4 und der REM-Schlafphasen (paradoxer Schlaf) verkürzt. Bei chronischer Anwendung nähert sich das Verhältnis der Dauer der einzelnen Schlafphasen wieder dem Zustand vor Behandlungsbeginn. Nach länger andauernder Exposition kommt es zur physischen Toleranzentwicklung und nach Absetzen zu einer moderat ausgeprägten reaktiven Schlaflosigkeit (rebound Insomnie) sowie u.U. zu einer Verlängerung der REM-Phasen (REM-rebound).

Die pharmakologisch begrenzte und geringe toxische Wirkung der Benzodiazepine erklärt sich ebenfalls durch ihre indirekte Wirkung (im Vergleich: Barbiturate aktivieren den Chloridkanal direkt und sind damit bei Überdosierung wesentlich toxischer). Für die meisten Benzodiazepine konnte zwischen den in vitro-Bindungskonstanten am Rezeptorkomplex und den pharmakologischen in vivo-Wirkungen eine gute Korrelation aufgezeigt werden, woraus sich die unterschiedlichen klinischen Äquivalenzdosen der Benzodiazepine herleiten lassen.
Die muskelrelaxierende Wirkung der Benzodiazepine beruht auf einer Hemmung polysynaptischer spinaler Reflexe. Der konzentrationsabhängige Synergismus von GABA und Benzodiazepinen führt zu einer Abnahme der Entladungsgeschwindigkeit von kritischen Neuronen in verschiedenen Teilen des ZNS, wodurch die antikonvulsive Wirkung erklärt wird. Analog können Angstgefühle und erhöhte Vigilanz auf eine Hyperaktivität bestimmter exzitatorischer Neurone (z.B. im limbischen System) beruhen. Die Wiederherstellung eines Gleichgewichtes zwischen erregender und hemmender synaptischer Aktivität durch Benzodiazepine könnte die angstlösende und beruhigende Wirkung dieser Gruppe erklären.
Benzodiazepine wirken Dosis-abhängig peripher vasodilatatorisch, was in einer leichten Blutdruck-Senkung resultiert, sowie (ebenfalls Dosis-abhängig) atemdepressiv.
Die Benzodiazepin-Wirkungen lassen sich durch Bicucullin und Picrotoxin aufheben, klinisch wird der spezifische Rezeptor-Antagonist Flumazenil eingesetzt.
Ungeklärt ist das Vorhandensein endogener Liganden bzw. natürlicher Substrate für den GABA(A)-Benzodiazepin-Chloridkanal-Komplex. In der Diskussion sind beta-Carboline, ein Diazepam-Binding-Inhibitor (DBI) bzw. dessen Peptid-Bruchstück Octadeca-Neuropeptid (ODN) sowie möglicherweise endogene oder natürlich vorkommende Benzodiazepin-Analoga.





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