β-Adrenozeptorenblocker
sind
kompetitive Antagonisten der Katecholamine an den
β-Adrenozeptoren. Entsprechend hemmen sie die Funktion des
sympathischen Nervensystems in allen Organen, in denen
β-Adrenozeptoren vorkommen.
β-Rezeptoren übertragen spezifisch adrenerg
stimulierende Impulse auf das Herz (überwiegend
β1-Adrenozeptoren) und adrenerg hemmende Impulse auf den Tonus
der glatten Muskulatur der Gefäße, des
Bronchialtraktes und des Uterus (überwiegend
β2-Adrenozeptoren).
β-sympathomimetisch
ausgelöste metabolische
Reaktionen sind z. B. die Steigerung der Lipolyse (Fettgewebe,
β1-Rezeptoren), der Glykogenolyse (Skelettmuskel, Leber,
β2-Rezeptoren), der Insulinfreisetzung (β-Zellen
Pankreas, β2-Rezeptoren) und der Reninfreisetzung (Niere,
β1-Rezeptoren).
Die pharmakodynamischen Wirkungen der β-Adrenozeptorenblocker
lassen sich durch den spezifischen Antagonismus an den
β-Adrenozeptoren ableiten: z. B. negativ inotrope, chronotrope
und dromotrope Wirkung am Herzen, Hemmung der Reninfreisetzung,
Bronchokonstriktion, antihypertensive Wirkung, Senkung des
Augeninnendrucks. β-Rezeptorenblocker senken die
Kammerwasserproduktion am Auge durch eine Reduktion der
Kammerwassersekretion. Während topische, unselektive
β-Rezeptorenblocker den Serum-HDL-Spiegel erniedrigen und den
Quotienten aus Gesamtcholesterol- und HDL-Spiegel verschlechtern,
zeigen β-Rezeptorenblocker mit intrinsischer
sympathomimetischer Aktivität einen geringeren oder sogar
neutralen Effekt.
Unter chronischer Therapie sinken bei den meisten Vertretern der
Betablocker renaler und hepatischer Blutfluss. Die betablockierende
Wirkung ist zudem für eine Erhöhung der Anzahl
zirkulierender Eosinophilen verantwortlich.
β-Adrenozeptorenblocker lassen sich an Hand qualitativ und
quantitativ unterschiedlich ausgeprägter pharmakodynamischer
und pharmakokinetischer Eigenschaften voneinander unterscheiden:
- Kardioselektivität (relative Selektivität
für β1-Adrenozeptoren)
- sympathomimetische Eigenwirkung (partiell agonistische
Aktivität = PAA, früher ISA = intrinsische
sympathomimetische Aktivität genannt). Die ISA ist eine
partielle Agonisteneigenschaft
- unspezifische Membranwirkung (auch als membranstabilisierende,
chinidinartige oder lokalanästhetische Wirkung bezeichnet)
- zusätzliche Wirkungsqualitäten (z. B. Klasse
III-antiarrhythmische, vasodilatierende,
α-Adrenozeptoren-blockierende Eigenschaften)
- Lipidlöslichkeit (Lipophilie).
Die Lipidlöslichkeit ist eng mit der unspezifischen
Membranwirkung korreliert und bestimmt ferner entscheidend die
pharmakokinetischen Parameter wie Plasmaproteinbindung,
Bioverfügbarkeit, Metabolismus und Elimination.
Die unspezifischen Membranwirkungen, die beim Patienten erst nach
toxischen, in der Regel jedoch nicht nach therapeutischen Dosen zu
erwarten sind, sowie die sympathomimetischen Eigenwirkungen sind
überwiegend von pharmakologischer, weniger von klinischer
Bedeutung.