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Bisphosphonate



 

Wirkungsmechanismus der Bisphosphonate

Chemisch stellen Bisphosphonate stabile Analoga von anorganischem Pyrophosphat, einem physiologischen Regulator des Knochen-Umsatzes, dar. Alle Bisphosphonate besitzen eine hohe Affinität an Knochen-Gewebe, werden bei der Resorption der Knochen-Substanz in Osteoklasten aufgenommen und hemmen deren Aktivität. Der zu Grunde liegende Mechanismus ist unterschiedlich bei Stickstoff-freien oder Stickstoff-haltigen Bisphosphonaten:

- Als Mechanismus der Hemmung der Osteoklasten-Aktivität durch die Stickstoff-freien Bisphosphonate, zu denen Etidronsäure, Clodronsäure und Tiludronsäure gehören, gilt eine Störung der ATP-Synthese. Dabei erfolgt eine Anlagerung des Bisphosphonats an Aminoacyl-AMP, so dass nicht ATP, sondern ein nicht hydrolysierbares ATP-Analogon entsteht. Auf Grund des hohen ATP-Bedarfs für die Aufrechterhaltung der Osteoklasten-Aktivität erklärt der durch die Bisphosphonate induzierte ATP-Mangel sowohl die Verminderung der Aktivität als auch die vermehrte Apoptose der Osteoklasten.

- Der Hemmung der Osteoklasten-Aktivität durch die Stickstoff-haltigen Bisphosphonate (wie Alendronsäure, Ibandronsäure, Zolendronsäure, Pamidronsäure, Risedronsäure) liegt die Hemmung der Farnesylpyrophosphat-Synthase zu Grunde, welche in Anwesenheit nanomolekularer Konzentrationen der betreffenden Bisphosphonate erfolgt. In der Folge werden Prenylierungsreaktionen (die Übertragung eines Farnesylrestes) beeinträchtigt. Viele Proteine, darunter auch Moleküle, die an der Regulation des Zytoskeletts, der Zelladhäsion und der Weiterleitung der Signale von Wachstumsfaktoren beteiligt sind, können z.B. ohne Isoprenylrest nicht an Phospholipid-Membranen verankert werden. Konsekutiv wird die Adhäsion und damit die Aktivität z.B. der Osteoklasten gehemmt und ihre Apoptose eingeleitet.

- Für beide Mechanismen gilt, dass sich durch Affinität der Bisphosphonate an den Knochen eine Art Wirkstoff-Depot bildet, da unter den Bedingungen der Knochen-Resorption das direkt am Ort des Abbaus gebundene Bisphosphonat in relativ hohen lokalen Konzentrationen frei gesetzt wird. Osteoklasten sind von beiden Mechanismen besonders betroffen, da sie bei der Resorption von Knochen-Substanz das jeweilige Bisphosphonat verstärkt ins Zellinnere aufnehmen.

Bisphosphonate hemmen sowohl in vitro als auch in vivo die Knochen-Resorption und senken bei Erkrankungen mit gesteigertem osteoklastären Abbau erhöhte Calcium-Konzentrationen und Phosphat-Spiegel im Serum auf Normwerte. Die Ausscheidung von Calcium, Phosphat und Hydroxyprolin, einem Marker für den Knochenabbau, wird unter der Behandlung mit Bisphosphonaten vermindert.

Osteoporose ist charakterisiert durch erniedrigte Knochenmasse, wodurch sich ein erhöhtes Fraktur-Risiko u.a. der Wirbelkörper, des Schenkelhalses und des distalen Radius, ergibt. Osteoporose tritt sowohl bei Männern als auch bei Frauen auf. Die Inzidenz ist jedoch höher bei Frauen in der Postmenopause, bei denen der Knochen-Umsatz ansteigt und die Rate der Knochen-Resorption die der Knochen-Neubildung übertrifft und so zu einem Verlust an Knochen-Masse führt.
Daneben haben Wissenschaftler beobachtet, dass Bisphosphonate in vitro die Aktivität und Bildung von Makrophagen hemmen. Da Makrophagen eine Reihe Knochen-resorbierender Zytokine bilden und außerdem Osteoklasten und Makrophagen auf dieselben Vorläuferzellen zurückgehen, könnte zumindest ein Teil der Wirkung der Bisphosphonate auf diesen Mechanismus zurückgeführt werden.

In vivo geht die Hemmung der durch Osteoklasten verursachten Knochen-Resorption zumindest teilweise darauf zurück, dass sich Bisphosphonate an den mineralisierten Knochen binden und dadurch die Vorstufen der Osteoklasten daran hindern, an den Knochen zu gelangen und sich zu reifen, knochenabbauenden Zellen umzuwandeln.

Wirkmechanismen Bisphosphonate

Bisphosphonate können, wenn sie geeigneten Lösungen zugesetzt werden, die Bildung und Auflösung von Hydroxyapatit-Kristallen verlangsamen. Diese Eigenschaft ist wahrscheinlich für die Beeinträchtigung von Mineralisationsvorgängen verantwortlich, die alle Bisphosphonate in hoher Konzentration bewirken. Es scheint keine wesentlichen Unterschiede zwischen den verschiedenen Bisphosphonaten hinsichtlich der Hemmung der Mineralisation zu geben, sie unterscheiden sich jedoch hinsichtlich der Hemmung der Osteoklasten-Aktivität. Der Abstand der Konzentration, die zu einer Störung der Mineralisation und jener, die zu einer Hemmung der Aktivität von Osteoklasten führt, ist bei den Bisphosphonaten unterschiedlich groß.

Bezogen auf die antiresorptive Wirkung ist Etidronsäure die am schwächsten wirksame Substanz. Ihre antiresorptive Wirkung dient als Bezugsgröße für die anderer Bisphosphonate. So ist Clodronsäure sowie Tiludronsäure etwa 10-fach, Pamidronsäure etwa 100-fach, Alendronsäure etwa 500-fach, Ibandronsäure etwa 5000-fach stärker antiresorptiv wirksam als Etidronsäure