Arzneistoffe von A-Z
Alles zu Wirkstoffen
 



Calcium-
Antagonisten



 

Wirkungsmechanismus der Calciumantagonisten

Calciumantagonisten sind Wirkstoffe, die selektiv den transmembranären Einstrom extrazellulärer Calcium-Ionen in Zellen des Myokards und der glatten Muskulatur hemmen, indem sie v.a. an die alpha1-Untereinheit des spannungsabhängigen Calciumkanals vom L-Typ binden (4 L-Typ-Kanäle: Ca(v)1.1-1.4). Calciumantagonisten werden daher heute - korrekter - als Calciumkanal-Blocker bezeichnet. Bei den reinen Calciumkanal-Blockern, die in therapeutischer Dosierung keine zusätzlichen Wirkungen auf andere Ionenkanäle besitzen, unterscheidet man - nach der Bindung an die verschiedenen Bindungsstellen des L-Typ-Calciumkanals - Substanzen vom Dihydropyridin (Nifedipin)-Typ, Verapamil-Typ und Diltiazem-Typ. Zum Dihydropyridin-Typ gehören Nifedipin, Nisoldipin, Nicardipin, Nitrendipin, Nimodipin, Felodipin, Isradipin, Nilvadipin, Amlodipin und Lacidipin, zum Verapamil-Typ Verapamil und Gallopamil, während Diltiazem der einzige Vertreter der nach ihm benannten Gruppe ist.

Gemeinsam ist den Verbindungen dieser 3 Typen, dass sie durch die Abnahme der intrazellulären Konzentration an freien Calcium-Ionen in unterschiedlich starkem Maße
- an der glatten Gefäßmuskulatur zu einer Erniedrigung des Gefäßmuskeltonus und damit zu einer Vasodilatation führen,
- am Herzen die Aktivität der Calcium-abhängigen Myosin-ATPase verringern, wodurch der Umsatz an energiereichem Phosphat und damit der Sauerstoffbedarf abnimmt. Durch diese Hemmung der elektromechanischen Kopplung kommt es zu einer Abschwächung der Kontraktilität des Herzens (negativ inotrope Wirkung). Es kommt zu einer Reduktion der Nachlast und - weniger deutlich - der Vorlast.

An den Koronarien greifen die Calciumkanal-Blocker nicht nur an den Widerstandsgefäßen, sondern vor allem an den großen Arterienästen an und sind dort in der Lage, Koronarspasmen aufzulösen. Die Kontraktilität der quergestreiften Skelettmuskulatur wird von den Calciumantagonisten nicht beeinflusst, da sie vorwiegend durch intrazelluläres Calcium gesteuert wird. Effekte auf andere glattmuskuläre Organe werden erst in sehr viel höheren, therapeutisch nicht relevanten Konzentrationen beobachtet.
Neuere Untersuchungen haben ergeben, dass ein Teil der durch Wirkstoffe vom Dihydropyridin-Typ bedingten Vasodilatation durch einen Calciumkanal-unabhängigen Effekt in Form einer verstärkten endothelialen NO-Freisetzung zustande kommt, wodurch zusätzlich auch die Adhäsion von Leukozyten und die Aktivierung/Aggregation von Thrombozyten inhibiert werden könnte.

Unter bestimmten Bedingungen vermögen Calciumantagonisten die Bildung atherosklerotischer Läsionen abzuschwächen. Der genaue Wirkmechanismus ist noch unklar, wahrscheinlich sind NO-vermittelte Prozesse beteiligt, die zu einer verminderten LDL-Aufnahme über den Scavenger-Rezeptor sowie zur Hemmung der endothelialen Zelladhäsion und der myointimalen Proliferation führen. Ob dieses Phänomen klinische Relevanz besitzt, ist noch unklar.

Calciumantagonisten zeichnen sich durch eine relativ gute subjektive Verträglichkeit, auch bei älteren Patienten, aus. Kohlenhydrat- sowie Lipid- oder Elektrolytstoffwechsel und Nierenfunktion werden nicht in klinisch relevantem Ausmaß beeinträchtigt. Calciumantagonisten besitzen eher eine leichte natriuretische Wirkung, die zum antihypertensiven Effekt beitragen kann. Die geringe Beeinflussung anderer Stoffwechselvorgänge erlaubt den Einsatz von Calciumantagonisten auch bei Patienten, bei denen Diuretika und/oder Betablocker kontraindiziert sind, z.B. bei Diabetes mellitus, Gicht, Hyperlipidämien, obstruktiven Atemwegserkrankungen oder peripheren Durchblutungsstörungen.