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Cephalosporine



 

Wirkungsmechanismus der Cephalosporine

Cephalosporine gehören wie Penicilline zu den Betalactam-Antibiotika (siehe Abbildung).
In Cephalosporium-Arten kommen neben Abkömmlingen der 6-Aminopenicillansäure mit diesen chemisch verwandte Derivate der 7-Aminocephalosporansäure vor.
Die natürlich vorkommenden Cephalosporine sind nur schwach antibiotisch wirksam. Durch Einführung der verschiedenen Seitenketten in den Positionen 3 und 7 am Betalactam-Gerüst werden antimikrobielles Wirkungsspektrum, Betalactamase-Stabilität, Proteinbindung, Resorption aus dem GI-Trakt sowie Stabilität gegen Desacetylierung beeinflusst. Die günstigste Wirkung (hohe antibakterielle Aktivität und besondere Betalactamase-Stabilität) wird durch die Einführung einer 2-Aminothiazolylgruppe sowie einer Oxim-Etherstruktur am α-C-Atom des 7β-Acylsubstituenten erreicht. Die Öffnung des Betalactam-Ringes führt zum Verlust der antimikrobiellen Wirksamkeit.

Betalactame

Der Wirkungstyp von Cephalosporinen ist bakterizid. Betalactam-Antibiotika hemmen die bakterielle Zellwand-Synthese durch Interferenz mit der Murein-Transpeptidase, die für die Quervernetzung der linearen Glykopeptid-Stränge von Bedeutung ist. Außer den Transpeptidasen sind auch andere Enzymsysteme gegenüber Betalactam-Antibiotika empfindlich, z. B. Carboxypeptidasen und Endopeptidasen. Auch sie besitzen eine regulatorische Funktion bei der bakteriellen Zellwand-Synthese. Die Peptidasen werden auch als Penicillin-bindende Proteine (PBP) bezeichnet. Man kennt mindestens 7 solcher Bindeproteine. Ihre Anzahl variiert je nach Bakterienart. Wie die Betalactam-Antibiotika die Bakterienzelle abtöten, ist letztlich nicht geklärt. Früher wurde angenommen, dass die Bakterien passiv durch osmotisch-bedingte Lyse absterben. Heute wird eher von einer Beteiligung bakterieller autolytischer Enzyme ausgegangen, die durch die Betalactam-Antibiotika aktiviert werden.

Wirkung Antibiotika

Cephalosporine wirken nur auf proliferierende Keime. Ruhende Keime, so genannte Persister, sind dagegen unempfindlich (aber nicht resistent). Eine geringgradige bakteriostatische Wirksamkeit kann beobachtet werden.
Entsprechend ihren Eigenschaften lassen sich die Cephalosporine in Gruppen unterteilen:
- parenteral anwendbare Cephalosporine mit geringer Cephalosporinase-Stabilität, so genannte Basis-Cephalosporine
- parenteral anwendbare Cephalosporine mit erhöhter bzw. hoher Cephalosporinase-Stabilität, so genannte Übergangscephalosporine bzw. Breitspektrum-Cephalosporine
- Oral-Cephalosporine mit geringer Cephalosporinase-Stabilität, so genannte ältere Oral-Cephalosporine
- Oral-Cephalosporine mit erhöhter Cephalosporinase-Stabilität, so genannte neuere Oral-Cephalosporine
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist das antimikrobielle Wirkungsspektrum:
- Cephalosporine der 1. Generation decken ein schmales Erreger-Spektrum hauptsächlich im gram-positiven Bereich ab (z. B. Streptokokken, Staphylokokken, einschließlich Penicillinase-Bildner, nicht empfindlich sind Enterokokken). Im gram-negativen Bereich werden die Keime mit unterschiedlicher Empfindlichkeit erfasst.
- Cephalosporine der 2. Generation weisen im Vergleich zu den Vertretern der 1. Generation eine verstärkte antibakterielle Wirksamkeit im gram-negativen Bereich, u. a. gegenüber Haemophilus influenzae und Enterobacteriaceae auf.
- Cephalosporine der 3. Generation unterschieden sich in ihrem antimikrobiellen Spektrum z. T. erheblich. So stehen Schmalspektrum-Cephalosporinen wie Cefsulodin (mit nahezu ausschließlicher Aktivität gegen Pseudomonas aeruginosa und fehlender Wirksamkeit gegenüber Enterobacteriaceae und anderen gram-negativen Keimen) Cephalosporine mit erweitertem Spektrum gegenüber, die neben Staphylokokken und Streptokokken (außer Enterokokken) mit hoher Wirksamkeit auch Haemophilus influenzae, Enterobacteriaceae wie E. coli, Klebsiellen, Proteus und Salmonellen sowie Serratia erfassen (so genannte Breitspektrum-Cephalosporine). Ein Vertreter dieser Gruppe ist beispielsweise Cefotaxim.
Cephalosporine mit deutlich erweitertem Spektrum zeichnen sich vor allem durch zusätzliche (unterschiedlich ausgeprägte) Wirksamkeit gegenüber Pseudomonas bei allerdings gleichzeitig geringerer Aktivität im gram-positiven Bereich aus. Hier ist beispielsweise Ceftazidim zu nennen.
Schließlich weisen einige Cephalosporine der 3. Generation, z. B. Cefoxitin eine gute Wirksamkeit gegenüber anaeroben Keimen, z. B. Bacteroides-Arten, auf (so genannte Anaerobier-Cephalosporine). Die Wirksamkeit gegenüber gram-negativen Erregern ist jedoch geringer als bei anderen Vertretern der gleichen Stoffgruppe.
Cephalosporine sind weitgehend unwirksam gegenüber Penicillinase-bildenden gram-positiven Erregern (vorwiegend Staphylokokken), die den Betalactam-Ring der Penicilline angreifen. Sie sind z. T. stabil gegenüber Cephalosporinasen, die von gram-negativen Bakterien gebildet werden. Allen Cephalosporinen gemeinsam ist die fehlende Wirksamkeit bei Enterokokken.
Sekundäre Resistenzen sind selten und entwickeln sich unter der Therapie zumeist langsam, folgende Mechanismen sind bekannt:
- Ausbildung Plasmid- oder chromosomal codierter Betalactamasen
- Veränderung der Penicillin-bindenden Proteine im Sinne einer Mutation vorhandener bzw. der Bildung zusätzlicher Proteine mit verminderter Affinität
- unzureichende Permeabilität der Zellwand für Cephalosporine (gram-negative Keime)
- aktiver Transport des Cephalosporins aus der Bakterienzelle mittels Efflux-Pumpen.