Wirkungsmechanismus der
Glitazone (Thiazolidindione)
Die
als orale
Antidiabetika verwendeten Thiazolidindione (Glitazone) werden auch als
Insulin(rezeptor)-Sensitizer bezeichnet. Sie wirken durch eine
Verstärkung der intrazellulären Insulinwirkung der
mit
Diabetes mellitus Typ 2 verbundenen Insulinresistenz entgegen, ohne die
Inselzellen des Pankreas zu belasten. Die blutzuckersenkende Wirkung
ist an das Vorhandensein von Insulin gebunden. Damit greifen die
Glitazone direkt in den Pathomechanismus der Erkrankung ein.
Angriffspunkt ist der im Zellkern lokalisierte
Peroxisomen-Proliferator-aktivierte Rezeptor gamma (PPAR gamma), an dem
die Glitazone als selektive Agonisten wirken. PPAR gamma wird vor allem
im Fettgewebe exprimiert und steuert dort die Bildung und
Differenzierung von Fettzellen. Von PPAR gamma sind drei Isoformen
beschrieben: PPAR gamma-1 konnte im Herzen, Darm, Niere, Pankreas, Milz
und im Muskel nachgewiesen werden, während PPAR gamma-2 und -3
vor
allem im Fettgwebe exprimiert werden. Nachfolgend kommt es zu einer
Transkription von Genen, die an der Differenzierung von
Präadipozyten und an der insulinvermittelten Glucose-Aufnahme
peripherer Gewebe beteiligt sind. Die Expression von Leptin,
Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-alpha), Plasminogen-Aktivator-Inhibitor-1
(PAI-1) und anderer Zytokine und Mediatoren aus Fettzellen wird
reduziert, während die Expression von adipocyte lipid-binding
protein (aP2) und dem Glucose-Transporter GLUT-4, der
maßgeblich
für den erleichterten Transport von Glucose in Adipozyten und
Skelettmuskel verantwortlich ist, erhöht wird. Neben dem
insulinabhängigen Glucose-Transporter GLUT-4 wird auch die
Expression und Translokation des insulinunabhängigen
Transporters
GLUT-1 gesteigert.
Im Fettgewebe und in der Skelettmuskulatur dient hauptsächlich
der
insulinsensitive Glucose-Transporter GLUT-4 zur Aufnahme des Zuckers in
die Zelle, dessen Translokation aus dem Zytoplasma in die Membran durch
die Signalkaskade hervorgerufen wird. Bei Insulinresistenz fehlt GLUT-4
in der Membran. TNF-alpha reduziert in höheren Konzentrationen
in
vitro die insulinstimulierte GLUT-4-Synthese und hemmt die
Phosphorylierung der beta-Untereinheit des Rezeptors, einem der ersten
Schritte der Signalkaskade. TNF-alpha-Konzentrationen steigen mit
zunehmendem Körpergewicht. Das Zytokin wird für die
Induktion
der Insulinresistenz mitverantwortlich gemacht: Bei adipösen
Diabetikern fanden sich ebenfalls erhöhte Konzentrationen. Der
genaue Einfluss von TNF-alpha auf die Insulinresistenz ist aber noch
nicht abschließend geklärt. Charakteristisch
für die
Insulinresistenz ist eine Fettstoffwechselstörung mit einer
Erhöhung der freien Fettsäuren. Konsekutiv steigen
die
VLDL-Konzentrationen und durch die erhöhte Oxidation der
freien
Fettsäuren in der Leber wird die Gluconeogenese sowie die
Glucoseabgabe der Leber stimuliert. Durch Eingriff in die
intrazelluläre Signalkaskade verbessert sich die Wirkung des
körpereigenen Insulins, womit die Insulinresistenz reduziert
wird.
Der Glucose-Transport in Fett- und Muskelzellen wird durch vermehrte
Bereitstellung von Transportproteinen erleichtert. Auch die Anzahl der
Insulinrezeptoren nimmt zu, womit die Insulinempfindlichkeit ansteigt.
In Leberzellen kommt es durch Stimulation eines
Schlüsselenzyms zu
verstärkter Glykolyse. Bedingt durch den Wirkmechanismus kommt
es
unter einer Therapie mit Glitazonen nicht zu Hypoglykämien.
Erhöhte Blutzucker- als auch Insulin-Konzentrationen sinken,
wobei
es bis zum vollen Wirkungseintritt einige Wochen dauern kann. Das
Ansprechen auf die Therapie sollte nach 6 Monaten
überprüft
werden. Der HbA1c-Wert sinkt um mehr als einen Prozentpunkt.
Die im Verlauf der Therapie mit Glitazonen häufig beobachtete
Gewichtszunahme ist wahrscheinlich durch eine stärkere
Ausdifferenzierung der Adipozyten bedingt. Neu entstandene Fettzellen
wandeln aufgenommene Glucose in Fett um, das sie speichern.
Außerdem können Glitazone die Ansprechbarkeit der
Beta-Zellen gegenüber einem Glucosestimulus erhöhen.
Die
Regeneration der Betazellen durch Glitazone verläuft
unabhängig von den Glucose-Plasmakonzentrationen. Da auch hier
Insulinrezeptoren gefunden wurden, könnte es sich um einen
direkten Effekt handeln. Der genaue Mechanismus ist noch nicht
geklärt.
Das volle Ausmaß der Wirkungen der Glitazone ist noch nicht
bekannt. Untersucht werden derzeit Auswirkungen auf die
Zelldifferenzierung, die Induktion von Apoptose in verschiedenen
malignen Geweben, eine Hemmung der Angiogenese sowie die Suppression
inflammatorischer Prozesse.
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