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Glucocorticoide



 

Wirkungsmechanismus der Glucocorticoide

Glucocorticoide beeinflussen den Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fett-Stoffwechsel mit der Tendenz, dem Organismus auf Kosten von Eiweiß und Fett Kohlenhydrate zur Verfügung zu stellen. So bewirken sie z. B. einen erhöhten Eiweiß-Abbau in vielen Geweben zu Gunsten einer gesteigerten Gluconeogenese, bei Langzeitapplikation kommt es zu einer Umverteilung des Körperfetts und zu einem Anstieg der Fett-Deposition (Verstärkung der Adrenalin-Wirkung auf die Lipolyse).
Die Adrenalin-Wirkung auf den Gefäß-Tonus und die Erregbarkeit zentralnervöser Strukturen werden zudem verstärkt (permissiver Effekt, pharmakodynamisch bedeutsam bei der verstärkenden Wirkung auf β-sympathomimetisch vermittelte Bronchodilatation bei asthmatischen Erkrankungen).

In physiologischen Konzentrationen dienen die Glucocorticoide durch katabole und ergotrope Wirkungen der Adaption des Organismus an Stress-Situationen.
Die therapeutische Anwendung der Glucocorticoide in pharmakologischen Dosen (d. h. in unphysiologisch hoher Dosierung) beruht in erster Linie auf ihren antiinflammatorischen, immunsuppressiven/antiallergischen und antiproliferativen Eigenschaften.
Folgende molekularpharmakologische Mechanismen lösen den spezifischen Glucocorticoid-Effekt aus: das Steroid-Molekül diffundiert durch die Zellmembran, bindet an einen Zytosol-Rezeptor und lagert sich zur Transkription an das Kern-Chromatin an. Dort erfolgt die Induktion des Codes auf die mRNA, die nach Interaktion mit zytoplasmatischen Ribosomen eine im Kern implizierte Aminosäure übersetzt (Translation). Der Hormon-Rezeptor-Komplex wird anschließend in den Zellkern übernommen und induziert die Biosynthese spezifischer Proteine (z. B. Macrocortin), die die eigentlichen pharmokodynamischen Glucocorticoid-Wirkungen realisieren. Auf Grund dieses Mechanismus setzt die Wirkung auch bei parenteraler Anwendung verzögert ein.
Für die Entzündungshemmung spielen neben Einflüssen auf die Zellbewegungen und -funktionen am Entzündungsort eine indirekte Hemmung der Prostaglandin- und Leukotrien-Synthese sowie der Bildung verschiedener anderer Mediator-Substanzen eine Rolle. Arachidonsäure, Prostaglandine und Leukotriene werden in nur noch vermindertem Umfang freigesetzt bzw. synthetisiert. Hinzu kommt möglicherweise eine Glucocorticoid-vermittelte Hemmung der Gen-Transkription verschiedener Zytokine (z. B. IL-1, IL-6, TNF-α). Daraus ergeben sich Endothel-abdichtende und das Bindegewebe betreffende antiproliferative Wirkungen.

Wirkung Glucocorticoide

Die immunsuppressive Wirkung beruht auf Einflüssen der Corticoide auf alle Stadien der Immunantwort. Dieser Effekt kommt in erster Linie durch den hemmenden Einfluss auf die Aktivität der Makrophagen und Lymphozyten zu Stande, wobei die von den T-Lymphozyten abhängigen zellgebundenen Reaktionen stärker betroffen sind als die durch die B-Lymphozyten vermittelten humoralen Reaktionen.
Die antiproliferative Wirkung der Glucocorticoide führt zur Hemmung des Zellwachstums in vielen Organen, insbesondere zu einer Hemmung der Fibroblasten-Bildung und der Kollagen-Synthese sowie der Zellteilung.
Prinzipiell sind die lokalen Wirkungen der Glucocorticoide mit den systemischen identisch.
Bei der (systemischen) Behandlung chronisch-obstruktiver Atemwegserkrankungen wird außer der antiphlogistischen Wirkung eine Gefäß- und Membran-Stabilisierung und eine Normalisierung der durch den Dauergebrauch von β2-Sympoathomimetika herabgesetzten Ansprechbarkeit der Bronchialmuskulator auf adrenerge Stimulation erreicht (permissive Wirkung, s. o.).

Weitere Wirkungen einer exogenen Glucocorticoid-Zufuhr in pharmakologischer Dosierung - insbesondere bei langfristiger Therapie - lassen sich aus der Störung der hypophysär-hypothalamischen Regulationsmechanismen erklären. Die physiologische Glucocorticoid-Sekretion der Nebennierenrinde wird in einer zirkadianen Rhythmik - mit einem Maximum zwischen 6 und 8 Uhr morgens - durch die Hypophyse gesteuert (Sekretion von adrenocorticotropem Hormon, ACTH). Die Ausschüttung der glandotropen Hormone der Hypophyse (und der Releasing-Faktoren des Hypothalamus) wird durch die Plasma-Konzentration der peripheren Hormone in einem Feed-back Mechanismus reguliert. In Folge dieses Regelkreises wirkt eine erhöhte Glucocorticoid-Konzentration, wie sie z. B. nach exogener Glucocorticoid-Zufuhr vorliegt, blockierend auf die Sekretion von ACTH und weiterer hypophysärer Hormone (z. B. Gonadotropin, Wachstumshormon). Dieser Effekt ist bei fluorierten Glucocorticoiden stärker ausgeprägt als bei nicht-fluorierten Derivaten.
Glucocorticoide fördern die Surfactant-Synthese in der Lunge. Dieser Umstand wird ausgenutzt, um bei drohender Frühgeburt die Lungenreife des Fetus zu induzieren (maternale i.m. Behandlung).