Die
Makrolide
(Antibiotika der Erythromycin-Gruppe) werden aus Streptomyces-Arten
gewonnen. Sie haben glykosidischen Charakter und enthalten einen
makrocyclischen Lacton-Ring, einen basischen Aminozucker und einen
Neutralzucker. Zur Verbesserung der Resorption bei oraler Gabe werden
die Substanzen meist in veresterter Form eingesetzt.
Makrolide besitzen einen vorrangig bakteriostatischen, in
Abhängigkeit von Konzentration und Erreger teilweise auch
bakteriziden Wirktyp.
Das Wirkungsspektrum der Erythromycin-Gruppe, das vorwiegend
gram-positive Keime umfasst, stimmt innerhalb der Gruppe nahezu
überein. Auch besteht innerhalb der Erythromycin-Gruppe
weitgehend
Kreuzresistenz.
Makrolide greifen in die molekularbiologischen Prozesse der DNA ein.
Die DNA erfüllt zwei Funktionen, zum einen die Replikation mit
dem
Ziel der Zellvermehrung ("autokatalytische Funktion"), zum anderen
Transkription auf die mRNA (messenger RNA), die Translation auf die
tRNA (transfer RNA) sowie deren Übersetzung in die
Aminosäuresequenzen eines Proteins ("heterokatalytische
Funktion"). Beim Vorgang der Transkription wird die Information eines
Teilabschnittes der DNA auf einen komplementäres
mRNA-Molekül
überschrieben. Durch die Überschreibung der
Information in
mRNA-Moleküle wird eine transportable Teilinformation
erhalten.
Die mRNA enthält die Anweisung für die Herstellung
eines
bestimmten Proteins. Die Übersetzung dieser Nukleotid-Sequenz
in
die Aminosäure-Frequenz eines Proteins erfolgt an den
Ribosomen.
Die Spezifität der richtigen Aneinanderreihung der
Aminosäuren wird durch tRNA und durch spezifische Enzyme
(Aminoacyl-tRNA-Synthetasen) bewirkt. Die Proteinbiosynthese findet in
Polysomen statt, die aus Ribosomen und mRNA geformt werden, wobei sich
die Ribosomen der Bakterien aus 30S- und 50S-Untereinheiten
zusammensetzen.
Die eigentliche Proteinbiosynthese wird in drei weitere Abschnitte
unterteilt: Initiationsphase, Elongationsphase
(Kettenverlängerung) und Terminationsphase. Als
Wirkungsmechanismus wurde gefunden, dass Makrolid-Antibiotika die
Proteinsynthese in der Elongationsphase hemmen, indem sie die
Übertragung der Aminoacyl-tRNA von der
Aminosäure-Haftstelle
auf die Peptid-Haftstelle inhibieren. Sie werden dabei reversibel an
die 50S-Untereinheiten der Ribosomen gebunden.
Um die Proteinbiosynthese in Gang zu setzen, müssen sich die
30S-
und 50S-Untereinheiten der Ribosomen zusammenlagern. Der Prozess der
Zusammenlagerung der Vorläufer der 50S-Untereinheiten wird von
den
Makroliden gestört. Ist ein Komplex der ribosomalen 30S- und
50S-
Untereinheit mit der mRNA gebildet, bindet die tRNA an die mRNA und
sorgt mit Hilfe einer Peptidyltransferase für den Aufbau des
Peptidfadens. Dieser wird durch einen Translationskanal durch die rRNA
(ribosomale RNA) nach außen transportiert. In diesen Kanal
lagern
sich die Makrolide ein und verhindern so die Translokation. Die
Hauptbindungsstelle ist das Adenin 2058 in der Domäne V der
23S
rRNA. An dieser Stelle findet auch die Methylierung bei der
Resistenz-Entwicklung statt.
Makrolide können in Makrophagen und Phagozyten aufgenommen
werden,
die Konzentrationen innerhalb dieser Zellen sind bedeutend
höher
als die des Extrazellulärraums. Hieraus resultiert eine
besondere
Eignung der Makrolide zur Bekämpfung intrazellulär
persistierender Erreger, sie werden somit häufig gegen
Legionellen, Chlamydien, Listerien oder Toxoplasmen eingesetzt. Die
Aufnahme in die Phagozyten findet nach derzeitigem Kenntnisstand durch
aktiven Transport statt.
Resistenz-Mechanismen:
Erworbene Resistenzen gegen Makrolid-Antibiotika beruhen meist auf
einer enzymatischen Veränderung des Angriffsortes der
Makrolide am
Ribosom. Daneben sind auch direkte Inaktivierungen und aktive
Ausscheidungen aus den Bakterien beschrieben. Die Resistenz-Entwicklung
kann über Chromosomen oder Plasmide vermittelt oder induziert
sein
bzw. konstitutiv bestehen. Makrolid-resistente Bakterien erzeugen
Enzyme, die zu einer Methylierung des bestimmten Adenin-Restes der rRNA
und folglich zu einer Hemmung der Bindung des Antibiotikums an das
Ribosom führen. Bei Vorhandensein dieses Resistenz-Mechanismus
besteht bei Makrolid-resistenten Erregern im Allgemeinen eine
Kreuzresistenz mit Lincosamiden und Streptogramin B. Clarithromycin
gehört ebenfalls zu den potenten Induktoren dieses Enzyms.
Zwischen Clarithromycin, Erythromycin und Azithromycin besteht eine
vollständige Kreuzresistenz. Methicillin-resistente
Staphylokokken
und der Penicillin-resistente Streptococcus pneumoniae sind
gegenüber Makroliden resistent.