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Penicilline



 

Wirkungsmechanismus der Penicilline

Penicilline gehören wie die Cephalosporine zu den Betalactam-Antibiotika. Grundgerüst aller Penicilline ist die (6R)-Aminopenicillansäure, die aus einem Thiazolidin-Ring und einem Betalactam-Ring besteht. Letzterer ist auch Bestandteil der 7-Aminocephalosporansäure, dem Grundgerüst der Cephalosporine.
Beide Gruppen zeigen Ähnlichkeit im Wirkungspektrum und werden als Betalactam-Antibiotika bezeichnet. Unterschiedliche Seitenketten sind für Wirkungsspektrum und -intensität, sowie für Stabilität, Löslichkeit und Resorptionsgeschwindigkeit verantwortlich.

Betalactame

Die verschiedenen natürlichen und partialsynthetischen Penicilline unterscheiden sich vor allem in den Säureresten, mit denen die Aminogruppe in 6-Stellung amidiert ist. Daneben kann die Carboxyfunktion an C-2 frei oder verestert vorliegen.
Von den natürlich vorkommenden Penicillinen, die ursprünglich aus Kulturen von Penicillium notatum, später aus Kulturen von Penicillium chrysogenum isoliert wurden, hat nur Benzylpenicillin (Penicillin G) praktische Bedeutung erlangt.
Eine bedeutsame Weiterentwicklung wurde durch die Isolierung bzw. großtechnische Herstellung von 6-Aminopenicillansäure mittels enzymatischer Spaltung von Benzylpenicillin ermöglicht: Durch Amidbildung zwischen der 6-Aminopenicillansäure und den verschiedensten Säuren konnte eine Vielzahl neuer Penicilline partialsynthetisch hergestellt werden. Mit diesen halbsynthetischen Penicillinen ließen sich gewisse Nachteile von Benzylpenicillin (Säureempfindlichkeit und damit hoher Resorptionsverlust bei oraler Gabe, Inaktivierung durch Penicillinasen, Unwirksamkeit gegen die meisten gram-negativen Keime) beseitigen.

Der Wirkungstyp von Penicillinen ist bakterizid. Betalactam-Antibiotika hemmen die bakterielle Zellwandsynthese durch Interferenz mit der Mureintranspeptidase, die für die Quervernetzung der linearen Glycopeptid-Stränge von Bedeutung ist. Außer den Transpeptidasen sind auch andere Enzymsysteme gegenüber Betalactam-Antibiotika empfindlich, z. B. Carboxypeptidasen und Endopeptidasen. Auch sie besitzen eine regulatorische Funktion bei der bakteriellen Zellwandsynthese.
Wirkung Antibiotika
Die Peptidasen werden auch als Penicillin-bindende Proteine (PBP) bezeichnet. Man kennt mindestens 7 solcher Bindeproteine. Ihre Anzahl variiert je nach Bakterienart. Wie die Betalactam-Antibiotika die Bakterienzelle abtöten, ist letztlich nicht geklärt. Früher wurde angenommen, dass die Bakterien passiv durch osmotisch-bedingte Lyse absterben. Heute wird eher von einer Beteiligung bakterieneigener autolytischer Enzyme ausgegangen, die durch die Betalactam-Antibiotika aktiviert werden. Penicilline wirken nur auf proliferierende Keime, ruhende Keime (sog. Persister) sind dagegen unempfindlich (aber nicht resistent).
Auf Grund ihrer verschiedenen Eigenschaften werden folgende Gruppen von Penicillinen unterschieden:

- Benzylpenicillin und dessen Derivate
- Oral-Penicilline mit fehlender oder geringer Penicillinase-Festigkeit (Phenoxymethylpenicillin, Propicillin, Azidocillin)
- Penicillinase-stabile Penicilline (Oxacillin, Dicloxacillin, Flucloxacillin)
- Penicilline mit erweitertem Wirkungsspektrum (Aminopenicilline wie Ampicillin, Amoxicillin bzw. Acylaminopenicilline wie Apalcillin, Azlocillin, Mezlocillin, Piperacillin).
Die Wirkungsstärke der biosynthetischen Penicilline wird in Internationalen Einheiten (IE) angegeben, von denen 1 IE 0,59888 μg des internationalen Penicillin-Standards entspricht. Die halbsynthetischen Penicilline sind gewichtsmäßig deklariert.
Die Wirksamkeit eines Penicillins hängt im Wesentlichen von der Zeitdauer ab, während der der Wirkstoff-Spiegel oberhalb der minimalen Hemmkonzentration (MHK) des betreffenden Erregers liegt.
Eine Resistenz kann auf folgenden Mechanismen beruhen:
- Ausbildung Plasmid- oder chromosomal codierter Betalactamasen
- Veränderung der Penicillin-bindenden Proteine im Sinne einer Mutation vorhandener bzw. der Bildung zusätzlicher Proteine mit verminderter Affinität
- unzureichende Permeabilität der Zellwand für Penicilline (gram-negative Keime)
- aktiver Transport des Penicillins aus der Bakterienzelle mittels Efflux-Pumpen.
Penicilline sollten nicht topisch, z. B. in Form von Salben, Pudern oder Tropfen, eingesetzt werden, da sie Allergene sind.