Wirkungsmechanismus der
Protonenpumpeninhibitoren (PPI)
Die
in den Fundus- und Corpusdrüsen des Magens lokalisierten
Belegzellen (Parietalzellen) sind für die Bildung der
Magensäure
zuständig. Stimuliert wird die Säuresekretion durch
die Bindung von
Histamin, Gastrin und Acetylcholin an die entsprechenden Rezeptoren der
Parietalzelle. Als intrazelluläre Überträger
der Information über die
Rezeptoraktivierung (second messenger) dienen cAMP sowie Ca2+-Ionen,
die unter Zwischenschaltung von Proteinkinasen eine Protonenpumpe
stimulieren. Bei dieser Pumpe handelt es sich um eine H+/K+-ATPase, die
K+-Ionen gegen H+-Ionen austauscht. Die hierfür
benötigte Energie
stammt aus der Umwandlung von ATP in ADP. Die sezernierten Protonen
bilden mit den Cl-Ionen Salzsäure.
Das Ulcus ventriculi, das Ulcus
duodeni und die Refluxösophagitis gehören zu den
peptischen
Erkrankungen, d.h. Erkrankungen des oberen Gastrointastinaltrakts, an
deren Entstehung Säure beteiligt ist. Ursache ist entweder
eine Störung
der defensiven Mechanismen (-> unzureichende Mukosa-Barriere
wegen
Oberflächenepithel-Läsionen, unzureichende
Schleimproduktion,
behinderte lokale Durchblutung), ein Überwiegen der
aggressiven
Faktoren (-> gesteigerte Salzsäure- und
Pepsinogensekretion, z.T.
auch ungenügende Hydrogencarbonat-Sekretion des Pankreas) oder
die
Besiedelung der Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori.
Wird
die
Säuresekretion gehemmt, können
Schleimhautläsionen zur Abheilung
gebracht werden. Wichtig scheint dabei zu sein, dass der Magen-pH
ausreichend lange effektiv angehoben wird. So geht man davon aus, dass
zur Heilung einer Ösophagitis der pH-Wert des Magensaftes
für
mindestens 15h pro Tag auf einem pH von über 4 angehoben
werden muss.
Die derzeit einzige Wirkstoffklasse, die diesen Anspruch
erfüllt, sind
die Protonenpumpeninhibitoren (PPI, Protonenpumpenhemmer), die -
unabhängig von den verschiedenen Stimulationswegen der
Säuresekretion -
am Endpunkt der Säureproduktion in der Parietalzelle
angreifen, d.h. an
der H+/K+-ATPase (Protonenpumpe).
Durch Blockade der Pumpe kann die
stärkste Unterdrückung der
Salzsäuresekretion erreicht werden. Bei
den bislang entwickelten Protoneninhibitoren handelt es sich um
substituierte Benzimidazol-Derivate, die wegen ihrer
Instabilität,
insbesondere in saurem Milieu, als Arzneiform mit magensaftresistentem
Überzug verabreicht werden. Nach Absorption des substituierten
Benzimidazol-Derivates im Dünndarm gelangt der
Protonenpumpeninhibitor
über den Blutweg in die Canaliculi der Parietalzelle. Im dort
herrschenden sauren Milieu werden die Protonenpumpeninhibitoren, die
Prodrugs sind, protoniert, und über eine als Zwischenstufe
entstehende
Spiroverbindung in die entsprechende Sulfensäure umgewandelt.
Unter
Wasserabspaltung wird der eigentlich wirksame Metabolit, das cyclische
Sulfenamid (nicht mehr membrangängig -> selektive
Anreicherung in
den Canaliculi) gebildet, das mit der α-Einheit der
H+/K+-ATPase unter
Ausbildung einer Disulfidbrücke reagiert und dadurch das Enzym
irreversibel blockiert. Eine Enzymregeneration ist nur durch Neubildung
möglich, so dass die Wirkung der Protonenpumpeninhibitoren
trotz der
kurzen Halbwertszeiten über 1-3 Tage anhält.
Da die Bildung des
Spiroderivats durch Protonierung nur im sauren Milieu erfolgt, reichern
sich die Protonenpumpeninhibitoren pH-abhängig am Wirkort an:
je
niedriger der pH-Wert, desto stärker die Anreicherung, und je
schneller
die Verstoffwechslung zum cyclischen Sulfenamid erfolgt, umso schneller
setzt die Wirkung ein. Dies ist auch abhängig vom pKa-Wert des
Protonenpumpeninhibitors, je kleiner der pKa-Wert, desto niedriger muss
auch der pH-Wert des Milieus der Belegzelle sein.
Protonenpumpeninhibitoren mit niedrigem pKa-Wert wirken erst dann, wenn
die Säuresekretion mehr oder weniger vollständig
aktiviert ist.
Protonenpumpeninhibitoren
besitzen keine (oder nur eine schwache) antibakterielle Wirkung, sie
erleichtern jedoch durch die anhaltende Anhebung des Magen-pH-Wertes
die Eradikation von Helicobacter pylori [im Rahmen einer so genannten
Tripeltherapie: PPI + 2 Chemotherapeutika (Clarithromycin, Amoxicillin,
Metronidazol)].