Wirkungsmechanismus der
nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAR, NSAID)
Nichtsteroidale
Antiphlogistika (Antirheumatika, NSAR) hemmen das mikrosomale,
Membran-gebundene Enzym Cyclooxygenase, das in zahlreichen Geweben
vorkommt. Dadurch wird die Produktion verschiedener Prostanoide, wie
Prostaglandin E2 (PGE2), Prostacyclin (PGI2) und Thromboxan B2 (TXB2)
gehemmt. Prostanoide spielen eine wesentliche Rolle als Mediatoren der
Entzündungsreaktion und können in geeigneten
experimentellen
Modellen alle Kardinalsymptome der Entzündung
(Calor/Wärme,
Rubor/Rötung, Dolor/Schmerz, Tumor/Schwellung) hervorrufen.
Mit
PGE2 können Hyperämie und Fieber herbei
geführt werden,
PGE2 und PGI2 bewirken Vasodilatation mit Erythem, Hyperalgesie und
Schmerz, sowie eine Permeabilitätssteigerung der
Gefäße
mit Ödem-Bildung.
Da die antiphlogistische Wirksamkeit der NSAR gut mit der
Cyclooxygenase-Hemmung korreliert, wird dies als ihr
hauptsächlicher Wirkmechanismus betrachtet.
Die analgetische Wirkung der NSAR ist - wie die Antipyrese - von der
Serum-Konzentration abhängig. Neben der Hemmung der
Prostaglandin-Synthese besitzen NSAR eine
hemmende Wirkung auf die Chemotaxis und Phagozytose neutrophiler
Granulozyten und Monozyten sowie auf die Freisetzung der Leukotriene
LTB4 und LTC4. In vitro-Versuche mit Leukozyten-Peroxidase belegen
einen neutralisierenden Effekt auf aktiven Sauerstoff
(Radikalfänger).
Außer den therapeutisch genutzten analgetischen und
antientzündlichen Effekten können ferner eine
reversible
Hemmung der ADP- sowie der Kollagen-induzierten
Thrombozyten-Aggregation und als unerwünschte Begleiteffekte
ulzerogene Wirkungen (Reduktion der Konzentration zytoprotektiver
Prostaglandine der E-Reihe, Prostacyclin), eine Natrium- und
Wasser-Retention und bronchospastische Effekte als Folge der
Prostaglandin-Synthese-Hemmung gewertet werden. Als Auslöser
der
Bronchospasmen wird ein relatives Überwiegen
bronchokonstriktorischer Leukotriene gegenüber der reduzierten
Prostaglandin-Konzentration angesehen. Leukotriene entstehen ebenfalls
aus Arachidonsäure (Lipoxygenase-Reaktion), jedoch ohne
Mitwirkung
der Cyclooxygenase. Auch die Reduktion der Wehentätigkeit und
der
Verschluss des Ductus arteriosus Botalli werden zumindest teilweise auf
eine Verminderung der endogenen Prostaglandin-Synthese
zurückgeführt.
Die Prototypen der NSAR hemmen die beiden Isoenzyme der Cyclooxygenase,
COX-1 und COX-2 gleichermaßen.
Die COX-1 bewirkt als konstitutiv exprimiertes Enzym die physiologische
Synthese von Prostaglandinen, z. B. im Magen, in Thrombozyten oder in
der Niere. Eine Hemmung dieses Enzyms verursacht Nebenwirkungen in den
COX-1 exprimierenden Organen. Die COX-2 ist dagegen durch verschiedene
Faktoren (z. B. Zytokine) schnell induzierbar und wird bei
Entzündungen, Schmerz-Reaktionen und anderen
Gewebsschädigungen verstärkt exprimiert. Die
antiphlogistische, analgetische und antipyretische Wirkung der NSAR
kann daher hauptsächlich durch Hemmung der COX-2 erreicht
werden,
während zahlreiche unerwünschte Wirkungen der NSAR
durch die
COX-1-Hemmung erklärbar sind. Pharmaka, die selektiv die COX-2
hemmen, sollten deshalb weniger Nebenwirkungen verursachen.
Neuere Forschungsergebnisse haben allerdings gezeigt, dass auch die
COX-2 in einigen Organen wie Rückenmark, Niere und Uterus
konstitutiv exprimiert wird. Darüber hinaus wird die COX-2 im
Rahmen verschiedener physiologisch bedingter
Adaptationsvorgänge
vermehrt gebildet.